die xt

...wurde leider kurz vor Reisebeginn  gestohlen


"DIE XT" - Lukas' erstes Motorrad

 

Eine Enduro sollte es sein. Alltagstauglich und dennoch fürs Gelände. Unkompliziert, robust und günstig. Als Auszubildender im ersten Lehrjahr stellte sich die Frage erst gar nicht ob Auto oder Motorrad. Natürlich musste es ein Motorrad sein und natürlich wurde es das ganze Jahr bewegt (gab ja kein Auto).  

 

Und schließlich wurde es nicht irgendein Motorrad, es wurde "DIE XT": eine Yamaha XT 600 E Modell 3TB von 1993.

 

Blaue Finger und morgendliches Anschieben bei zweistelligen Minusgraden wurden eher die Regel als die Ausnahme, aber Heizgriffe wären keine Alternative gewesen. Zu groß war der Stolz und zu anfällig die Elektrik.  Richtig doof wurde es dann im Frühling. Wenn alle ihre Motos aus der Garage holten, ging bei der XT die Beseitigung von Salzschäden los. Trotz täglicher Benutzung waren und sind auch noch heute die Motorradurlaube das Tollste im Jahr. Gleich mit 18 ging's für zwei Wochen über die Alpen nach Italien und immer mal wieder auf kurze und lange Urlaubstrips.

 

Der durch mehrere Jahre Winterbetrieb sehr gebeutelte Eintopf bekam nach mehreren Operationen am offenen Herzen und immerhin schon stattlichen 90.000 km etwas Verstärkung. Ein gepflegtes Exemplar von 1990, es war eigentlich als Teileträger gedacht, wurde zur neuen "DIE XT". Nachdem die schwarzen Kunststoffteile, der große Tank, Auspuff, Lenker, Kickstarter, Alufelgen und was sonst noch alles verändert worden war in die neue XT implantiert waren, gab es keinen Zweifel mehr: "DIE XT ist tot - lang lebe DIE XT!"

 

Mittlerweile hatte DIE XT aber auch Unterstützung bekommen und musste im Alltag nicht mehr jeden Tag ran. Trotzdem verkörperte sie das Fernweh auf zwei Rädern. Immer gestillt durch den einen oder anderen Kurztrip.

Doch diese Touren reichten schon bald nicht mehr aus. Ein Reisevortrag eines berühmten Reisefotografen entfachte ein Feuer der Begeisterung und beflügelte die Idee, auf der XT nach Marokko zu fahren.

Im Herbst 2011 war es dann soweit. Völlig überladen und möglichst auf dem Landweg rödelte sie los. Mit dem Erreichen der Sanddünen von Merzouga erblickten XT und Fahrer zum ersten Mal die Wüste. Ein überwältigendes Gefühl, jeden Meter aus der Schleswig-Holsteinischen Provinz hierher gefahren zu sein, stellte sich ein. Und es sollte nicht das letzte Mal sein.

 

2015 sollte es nochmal nach Marokko gehen. Wieder mussten die vier Wochen Jahresurlaub reichen, wieder im Herbst, doch diesmal mit weniger Gepäck und mehr Plan. 

Zunächst bekam DIE XT eine Verjüngungskur sondersgleichen. Alles wurde feinsäuberlich bis auf die allerletzte Schraube zerlegt, der Rahmen entrostet und neu lackiert, sämtliche Leitungen und Züge erneuert. Nun schlug die große Stunde der ersten XT. Jahrelang lag ihr Motor herum. Zuletzt hat er geklappert wie ein Sack Schrauben und mehr Öl verbraucht als so manche Pommesbude. Das Aggregat wurde komplett zerlegt, Kolben und Zylinder erneuert, die Kurbelwelle mit neuem Pleul ausgestattet und feingewuchtet und schließlich der Zylinderkopf von unnötigem Aluminium befreit und mittels Strömungsmessung optimiert.

 

 

Frisch wie eh und je brach DIE XT im Herbst 2015 zu ihrer vorerst letzten großen Reise auf. Auf den Spuren der Tour von 2011 ging es über den Atlas bis Merzouga. Von dort aus mit zwei neu gewonnenen Freunden offroad weiter entlang bis nach Zagora, weiter über den Lac Iriki auf Pisten bis nach Ouazzerzate. Nach einem Abstecher an die Küste war es an der Zeit für den Rückweg ins kalte Deutschland. 

 

 


Kaum zu glauben liebe XT, nächstes Jahr wirst du 30! Das muss gefeiert werden, denn zufällig sind XT und XT-Fahrer auf den Monat genau gleich alt.

 

Wenn ihr Stefanie nach ihrem Lieblingsmotorrad fragt, wird sie wohl von ihrer kleinen roten Honda schwärmen, doch im Herzen schlägt auch bei ihr der ruppige, luftgekühlte XT-Motor. Schließlich war es DIE XT, auf der Stefanie ihre allererste Fahrstunde hatte und eins ist sicher - es war Liebe auf den ersten Kick!