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La Paz

 

La Paz – Hauptstadt der Baja California und für uns der Ort, an dem wir einen Spanischkurs besuchen würden...

 

Noch damals in Deutschland, als wir ursprünglich geplant hatten, Südamerika zu bereisen, hatten wir uns mit dem Gedanken auseinandergesetzt, Spanisch zu lernen. Im Volkshochschul-Katalog der Stadt, in der wir damals wohnten, fanden wir einen vielversprechenden Spanischkurs. Die schnellsten zehn Anmeldungen würden das Kursbuch kostenlos beim ersten Besuch erhalten; das ließen wir uns nicht zweimal sagen! Erwartungsschwanger fuhren wir mit den Fahrrädern zum ersten Kurs, ausgerüstet mit Schulheften und einer großen Anzahl an bunten Stiften. Der Lernerfolg hielt sich jedoch in erschreckenden Grenzen: Der Kursleiter, nennen wir ihn mal José, sprang nicht nachvollziehbar durch die Themen, brachte dem einen diesen und dem anderen jenen Satz bei und wenn man nicht im Bruchteil einer Sekunde eine Antwort parat hatte, wurde jemand anders gefragt. Frustrierend. Wir fühlten uns sehr streberhaft, waren wir doch ernsthaft gewillt, Spanisch zu lernen. Der Großteil des Kurses bestand jedoch aus „Mallorca-Muddis“ im mittleren Alter, dem das unspezifische Scherzen mit José genügte. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass unsere Motivation, a) Spanisch zu lernen und b) überhaupt noch zum Kurs zu gehen, bald unter den Gefrierpunkt gesunken war. Daher verschoben wir die Intention, Spanisch zu lernen, auf einen Kurs in einem spanischsprachigen Land. Problem vertagt. ;-)

 

Doch da waren wir nun, im Oktober 2019, als sich das Schicksal entschied, unsere Reise durch diverse Gründe in eine andere Richtung verlaufen zu lassen: Mexiko. Da wir zu jenem Zeitpunkt keine 200 Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt waren, drängte sich die alte Entscheidung wieder in unser Bewusstsein: Spanisch lernen. Wir fanden in La Paz eine erfolgsversprechende Sprachschule, die Lukas für gut befand und der Stefanie zumindest deutliche Spuren von Didaktik und Erwachsenenbildung entnehmen konnte. Hervorragend. Die Entscheidung war gefallen.

 

Kurz vor Loreto nahmen wir Kontakt mit dem Schulleiter der Schule auf, steckten die Rahmenbedingungen fest, suchten uns eine Unterkunft in der absolut unmittelbaren Nähe der Sprachschule (zwei Minuten zu Fuß – grandios!) und begannen, uns auf das Spanischlernen zu freuen. Bereits einige Wochen zuvor, in La Bufadora, hatten wir begonnen, mithilfe einer Handyapp Spanisch zu lernen. Zunächst belächelten wir sie etwas, stellten aber doch recht schnell kleine Erfolge im Umgang mit Einheimischen fest. Auch den durch das Lernen mit der App schon recht umfangreichen aktiven Wortschatz von Steffi und Rüdiger bewunderten wir. Das wollten wir auch! (Nachtrag aus der Zukunft: Brav erledigen wir weiterhin täglich unsere Spanischübungen in der App, was uns Spaß macht und etwa eine halbe Stunde täglich dauert. Im Falle des Vergessens wird man per E-Mail an das Lernen erinnert. Penetrant, aber wirkungsvoll.)

 

Unser Zimmer fanden wir übrigens über eine Internetplattform für Privatunterkünfte, die – zu recht – nicht unumstritten ist. In diversen touristischen Orten dieser Welt leiden Hotels und dergleichen unter den Dumpingpreisen der Unterkünfte, die zum Teil feilgeboten werden. Dennoch entschieden wir uns für eine Privatunterkunft, weil wir vorab Kontakt mit der Vermieterin aufnehmen und die sichere-Motorrad-Stand-Situation klären konnten. Das ist bei Hotels schwierig und eher ab einer Preisklasse möglich, bei der unser Budget nach einer Nacht schon aufgebraucht gewesen wäre.

 

Die Nacht vor der geplanten Ankunft in La Paz verbrachten wir lustigerweise doch auch schon in der Stadt, weil wir am Tag zuvor viel weiter gefahren waren als geplant. Der Campingplatz kostete mehr, als wir eigentlich bereit gewesen wären, zu bezahlen (amerikanische Preise), aber da wir keine andere Möglichkeit hatten und uns außerdem mit dem Vorhandensein eines Pools trösten konnten, entschieden wir uns dafür, zu bleiben. (Übrigens begegnete uns dort die erste Kakerlake. Arme Tiere, so schlimm wie ihr Ruf zu sein scheint, sehen sie gar nicht aus! Da sie aber Krankheiten übertragen können, sollte man sich im Umgang mit ihnen doch in Acht nehmen.)

 

Bei unserer Gastgeberin in La Paz, die mit Lebensgefährte und Sohn im Grundschulalter zusammen in einem Haus wohnt, fühlten wir uns zunächst wohl. Wir wurden auf Augenhöhe sehr freundlich begrüßt, erhielten ein Zimmer mit eigenem Badezimmer und durften tun und lassen, was wir wollten. Die Motorräder durften wir, wie vor der Buchung vereinbart, hinter das Haus sichtgeschützt auf die Terrasse stellen. Wir freuten uns über unseren guten Fang. Am Abend des ersten Tages kam die Ernüchterung, die wir zwar unterbewusst durch einige Merkwürdigkeiten am Folgemorgen wahrnahmen, konkret aber erst am Abend des Tages erzählt bekamen: Aufgrund einer Suchtproblematik war der Mann, bei dem wir wohnten, nicht da und würde auch so schnell nicht wiederkommen. Die damit zusammenhängenden intra-familiären Probleme könnt ihr euch sicher vorstellen. Das hatten wir weder gewusst noch erwartet, wussten auch nicht, was wir davon halten sollten, inwieweit der Mann in etwas verstrickt sein könnte, das uns in Probleme involvieren könnte und was wir nun davon halten sollten. Die Dame des Hauses erzählte uns viel, fast schon zu viel, über die persönlichen Umstände, durch die das Leben des Mannes verlaufen war. Als wir am Folgetag erfuhren, dass er entlassen und wieder zu Hause war, wir ihm aber nicht verraten sollten, was sie uns anvertraut hatte, beschlich uns ein mulmiges Gefühl. Zum Glück zeigte er sich uns gegenüber weiterhin offen, freundlich und gesprächig, sodass wir uns bald wieder gut fühlten.

 

Was uns störte und auch wirklich belastete, ist, dass Mexiko grundsätzlich sehr laut ist und dass die Bewohner des Hauses, bei denen wir residierten, zwar keine Mexikaner sind, der Lautstärke nach aber grundsätzlich als solche wahrgenommen werden könnten: Die Frau brüllt SEHR LAUT durch das Haus. Die Musik ist LAUT. Das Computerspiel das Kindes, das scheinbar selbstgewählte Zubettgehzeiten haben scheint, ist SEHR LAUT. Die Hunde machen auf den Boden, was besondere Umsicht mit sich bringt. Handwerker waren da, die eine Küche einbauten. Auch sehr laut. Jeden Tag bis zum Morgengrauen LAUTE Musik aus der Nachbarschaft. Rund um die Uhr Hundebellen. Bitte denkt nicht, dass wir uns nur beschweren, so wollen wir nicht wirken! Tatsache ist aber, dass es in unserer Unterkunft nie still war, was uns ziemlich auf die Nerven schlug. Wir zogen uns häufig zurück, lernten Spanisch oder sahen uns Dokumentationen deutscher Fernsehsender an. Es fällt uns ausgesprochen schwer, unsere Erlebnisse mit der Familie in La Paz zu schildern. Keineswegs möchten wir die Familie blöde darstellen oder über sie herziehen. Alle drei waren sehr nett zu uns und herzensgut und uns wurden Freiheiten eingeräumt, wie wir sie bei einer Unterkunft noch nie erhalten hatten. Das Thema „Privatunterkunft“ ist für uns aber nach La Paz erst einmal „ad acta“ gelegt, weil wir gemerkt haben, wie sehr wir doch unsere Ruhe und Zeit für uns brauchten. Bei jeder Mahlzeit in Gespräche verwickelt zu werden, ist auf der einen Seite freundlich, auf der anderen aber auch übergriffig, denn nicht jeder möchte morgens um sieben Uhr schon „zugetextet“ werden.

 

Nach einer Woche mit der Familie sind wir nun froh, wieder in unserem Zelt auf einem Campingplatz schlafen zu können, welch ein Komfort! Ende Dezember werden wir wieder nach La Paz zurückkehren und die zweite Spanischlernwoche in Angriff nehmen.

 

Und die Sprachschule, fragt ihr? Über die wir noch kein Wort verloren haben? Das kommt nun. In der Sprachschule genossen wir insgesamt zwölf Unterrichtsstunden bei Muttersprachlern, die in gut verdauliche Häppchen aufgeteilt waren und absolut reisetaugliche Themen umfassten. Wir merkten schnell, dass Yumira, eine 24-jährige Mexikanerin, sehr guten Unterricht umsetzte und baten den Schulleiter gleich, sie in der zweiten Woche wieder als Lehrerin zu bekommen. Sie war ruhig und zurückhaltend, kannte sich in der Sprache (auch mit linguistischen Fachbegriffen) sehr gut aus und wählte den Schwierigkeitsgrad ihrer Stunden angemessen. Sie versorgte uns mit Arbeitsblättern und Hausaufgaben, die wir jeden Tag brav erledigten, und spielte Spiele mit uns, die das Lernen kurzweilig machten. Die Sprachschule war ein solcher Erfolg, dass Lukas dazu in der Lage war, die Fähre nach Mazatlán komplett auf Spanisch zu buchen (inklusive vieler Fragen nach Details und fahrzeugbedingter Besonderheiten)!!!

Was wir in La Paz alles entdeckten, könnt ihr der folgenden Bildergalerie entnehmen. Wir erkundeten die Stadt zu Fuß, wie wir es grundsätzlich am liebsten tun. Besonders freute uns, dass wir ein vegetarisches und sogar ein veganes Restaurant gefunden haben!

 

Eine Stadt wie La Paz ist natürlich ein Touristenmagnet. Das liegt sowohl am Flughafen und den zahlreichen Tourismushochburgen im Süden der Baja als auch an der einmaligen Lage in einer Bucht mit jeder Menge meeresbiologischer Besonderheiten. Bisher waren die Höhepunkte unserer Reise meistens das Reisen als solches und mehr bedarf es auch weiterhin nicht. Tourismusangebote lockten in den letzten Monaten trotzdem fast überall, aber allein die Zeit, um die Eindrücke des Reisealltags zu verarbeiten und auch mal zur Ruhe zu kommen war uns, abgesehen von den meist astronomischen Preisen der kostspieligen Bespaßungsangebote, einfach oft viel wichtiger.

 

Es gibt jedoch Angebote, die so einmalig sind, dass schnell mal der Gedanke "Jetzt oder nie" kommt. So war es beispielsweise einmal geplant, eine Walsichtungstour vor Vancouver Island zu machen, aber sowohl mangelnde Informationen zum Thema Tierschutz seitens der Tourenanbieter, als auch tagelanger Sturm und Regen machten der Unternehmung schließlich einen Strich durch die Rechnung.

 

Die Bucht von La Paz ist zwar nicht unbedingt für die Sichtung von Walen bekannt, aber im Gegenzug lassen sich hier die größten Fische der Welt, die Walhaie, beobachten. Diese friedfertigen Fische ernähren sich ähnlich wie viele der "richtigen" Wale von Plankton und Kleinstlebewesen, die sie aus dem Wasser filtern. Sie werden bis zu 14 m lang und sind damit die mit Abstand größten Fische auf diesem Planeten. Seit ein paar Jahren steht der Walhai jedoch auf der Roten Liste bedrohter Tierarten und es wird davon ausgegangen, dass der Bestand in den nächsten 50 Jahren um ca. 75 % schrumpfen wird. Hierbei spielen sowohl der Klimawandel, als auch die Überfischung und die Schifffahrt eine Rolle. Viele der Haie werden durch Schiffsschrauben verletzt oder verenden als Beifang in den Netzen der Thunfischindustrie.

 

Trotzdem bieten viele Agenturen von La Paz aus Touren zu diesen bedrohten Meresbewohnern an. Von behördlicher Seite wurde vor einigen Jahren eine Zone zum Schutz der Walhaie eingerichtet, in die maximal 14 Boote gleichzeitig einfahren dürfen. Diese dürfen sich dort mit maximal drei Knoten fortbewegen, es darf nur je ein Boot in die Nähe eines Fisches fahren und die Guides und Besatzungen benötigen eine spezielle Lizenz sowie eine Genehmigung. Dennoch hatten wir große Zweifel an der Seriösität einiger Anbieter und waren nicht sicher, ob wir das mit unserem Gewissen vereinbaren können.

 

Schließlich gab uns unsere Gastgeberin einen heißen Tipp. Ihr bekannter sei Meeresbiologe und biete ebenfalls solche Touren an; um damit seine Forschungen zu finanzieren. Unter diesen Voraussetzungen erschien uns das Ganze in einem anderen Licht und wir waren gerne bereit; einen Mehrpreis gegenüber den anderen Anbietern zu zahlen.

 

Früh morgens fuhr uns unsere Gastgeberin schlißlich zum Bootsanleger. Glücklich, die filmreife Fahrt ohne Rücksicht auf Verluste, unverletzt überlebt zu haben, lernten wir den Meeresbiologen Jay und seine Begleiterin kennen. Mit uns waren noch sieben andere Menschen sowie der mexikanische Kapitän mit an Bord und nach kurzem Kennenlernen ging es bereits los. Während der halbstündigen Bootsfahrt zum Schutzgebiet erhielten wir unsere Ausrüstung, bestehend aus Flossen, Taucherbrillen, Schnorcheln und Neoprenanzügen. Nebenbei erklärte uns Jay die Regeln zum Schutz der Fische und wie wir uns unter Wasser zu verhalten haben. Zudem erzählte er von seiner Arbeit und wie er die Tiere erfassen und anhand ihrer Musterung identifizieren und wiedererkennen kann.

 

Derweil setzte uns das Geschaukel ziemlich zu, doch die unerwarte Sichtung eines nur wenige Meter neben uns auftauchenden Buckelwals ließ das als angemessenes Opfer erscheinen. Dem Buckelwal folgten diverse Delfine und eine Meeresschildkröte. Doch schließlich konnte Jay einen Walhai ausmachen. Kein 14 Meter Exemplar, aber mit ca. vier Metern  ein immer noch riesiges Tier. In etwa mit Schrittgeschwindigkeit trieb der Fisch neben uns durchs Meer. Wir überholten ihn mit dem Boot und schon kam Jays Signal zum Tauchgang. Nacheinander sprangen wir ins Wasser. Unmittelbar danach mussten wir uns zwischen den Wellen orientieren und Jay folgen, der im Affenzahn vorausschwamm. Der erste Tauchgang misslang. Zu schnell war der so gemächlich wirkende Riese, doch schließlich gelang es uns bei weiteren Tauchgängen, bis auf wenige Meter an das Tier heranzukommen und es bestaunen zu können. Ein kurzer aber dennoch atemberaubender Moment.

Zugegebenermaßen war es für uns Landratten allein schon eine Herausforderung einmal auf offener See vom Boot zu hüpfen und dabei nicht gleich unterzugehen. Einer der anderen Touristen, ein stämmiger Typ mit Leistungsschwimmerstatur, bot aber wiederholt Hilfe an und zog bei Bedarf je einen von uns durchs Wasser (Wir vermuteten, er war als Kind in einen Kessel mit Zaubertrank gefallen...). Völlig erschöpft und von den Eindrücken überwältigt legten wir nach über drei Stunden wieder an Land an und waren uns einig, dass dieser Ausflug sich gelohnt hatte. Auch beschlossen wir uns schleunigst zwei Taucherbrillen zuzulegen.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Christiane (Samstag, 28 Dezember 2019 18:59)

    Wow, wie cool mit dem Tauchgang...natürlich auch alles andere. Vielen Dank für den sehr ausführlichen und interessanten Bericht. Ich bewundere eure Disziplin beim Spanisch lernen auch unter nicht so ganz leichten Bedingungen und Lebensumständen :-)...die Traumstrände aus dem letzten Bericht haben es mir auch sehr angetan....kommt gut und beschützt ins neue Jahr ihr zwei....alles Liebe

  • #2

    Helga und Horst (Samstag, 28 Dezember 2019 19:36)


    Wir hoffen dass ihr die Weihnachtstage
    gut verbrachhabt habt und wünschen weiter
    viel Efolg bei eurem Sprachkurs.
    Die Fotos und Berichte sind wie immer ganz toll,
    wir können gar nicht genug davon bekommen.
    Kommt gut in das neue Jahr, bleibt gesund
    und weiterhin gute Fahrt.
    LG. aus der Heimat O. U. O.





  • #3

    Rosie & Jochen (Montag, 30 Dezember 2019 14:07)

    Muy agradable , gracias por las buenas impresiones!