· 

Traumstrand

 

Wie schon im letzten Beitrag angekündigt, waren wir doch etwas betrübt, dass wir, aufgrund von Wasser- und Nahrungsmangel (ein häufiges Übel als Motorradreisende mit begrenztem Platzangebot) nicht an den Traumstränden nördlich von Loreto bleiben konnten. Deshalb entschieden wir nach der üblichen reichlichen Überlegung, uns mit den oben genannten Mangelprodukten ordentlich einzudecken und etwa 100 Kilometer in Richtung Norden zurückzufahren; zu sehr hätten wir uns geärgert, wenn uns auf unserer zukünftigen Reise durch Mexiko kein „Traumstrand“ mehr begegnet wäre. (Wir sind zwar weder Strand- noch ausgesprochene Bademenschen, wollten uns die Gelegenheit, einmal im Leben einen Reisebürostrand zu erleben, nicht entgehen lassen.)

 

Nun gut! Wir kauften großzügig Trinkwasser ein, das man hier in vielen kleinen Läden in mitgebrachten Behältern hinein füllen lassen kann, füllten unseren großen blauen Essensrucksack so, dass Stefanies Motorrad deutlich hecklastig wurde und fuhren los: Hindurch ging es durch die schon einmal betrachtete wunderschöne Landschaft mit Riesenkakteen, schmalen und gewundenen Straßen und immer wieder einzelnen Aussichtsgelegenheiten auf den schönen Golf von Kalifornien. Mithilfe unserer App, die bei der Platzwahl bisher immer schon eine gute Hilfe gewesen ist (Wen es interessiert, was wir benutzen: gerne fragen, wir wollen aber keine Werbung für irgendetwas machen, daher verzichten wir auf die Namensnennung), hatten wir die einzelnen Plätze schon vorab in Loreto „abgegrast“, um den für uns besten zu finden. Einer der besonders schönen Plätze, den mit endloser Sandbank, hatten wir aussortiert, weil man dort außer Müll und verwahrlosten Plumpsklos laut der Kommentatoren in der App wohl nicht so viel geboten bekommt. Also fuhren wir weiter und ließen uns von unserem Gefühl leiten.

 

Als sich die Straße direkt am Berg entlangschlängelte, riskierten wir einen kurzen Blick nach rechts unten und da war er: der Traumstrand mit kristallblauem Wasser, hellem Sand, Palapas (grob zusammengezimmerten Strandhüttchen aus Palmwedeln) und nicht vielen Fahrzeugen. Hurra!

 

 

Bei der obligatorischen Ankunfts-Erkundungsfahrt fanden wir auch unsere Schweizer, Steffi und Ozy, wieder, die sich einen Tag zuvor hier niedergelassen hatten. Lukas' neuerworbene Fahrradhupe, die auch schon die Soldaten am Militärcheckpunkt amüsiert hatte, sorgte durch ihr Gequäke für interessierte Blicke aus dem schweizer Gefährt und für große Wiedersehensfreude. Wir nisteten uns am vorderen Ende der Strandzufahrt ein, bauten unser Zelt erst in die Palapa, entfernten es aber zugleich wieder, als wir die übliche mexikanische Bauweise genauer betrachteten: überall herausstehende Nägel, wobei Lukas' Fleecejacke leider mit einem Exemplar nähere Bekanntschaft machte. :( Nachdem die Nägel fachmännisch umgebogen waren, zogen wir mit der Picknickdecke in die Palapa – abends wurde es nämlich ganz schön windig.

 

Stefanie als wildes Waldkind schwelgte in Kindheitserinnerung voller Hüttenbau und Phantasiespiele darin; tatsächlich hatte sie sich eine solche Strandhütte als Kind immer gewünscht und diesen Wunsch in ihren in Kindheitstagen gezeichneten Comics mit einer Phantasiegestalt aus halb Mensch, halb Katze, die in einer solchen Hütte am Strand wohnte, Ausdruck verliehen.

 

 

Ozy wies uns amüsiert daraufhin, wie weit die Flut in den frühen Morgenstunden reichen würde und zeigte uns die zu erreichende Wasserlinie: etwa einen Meter vom Zelt entfernt. Es war in der Tat außerordentlich aufregend, die Nacht im Zelt so nah am Meer zu verbringen und den Wellen zu lauschen.

 

Nachdem wir unsere Ängste bezüglich der Stachelrochen, die sich im niedrigen Wasser niederlassen und sich bei Berührung schmerzhaft wehren, überwunden hatten, trauten wir uns tatsächlich ins Wasser. (Das ist übrigens erst das zweite Mal auf der Reise, dass wir zusammen schwimmen gehen konnten!) Wir quiekten und johlten vor Freude und hatten mit unserer kleinen wasserdichten Kamera, die sonst immer am Motorrad montiert ist, große Freude. Steffi und Ozy boten uns freundlicherweise ihre Außendusche an, sodass wir uns nach dem Baden vom klebrigen salzigen Hautgefühl befreien konnten. Falls ihr das lest: Vielen Dank euch beiden! :)

 

 

Übrigens wollte man uns auch auf diesem Campingplatz (mit Ekelplumpsklo, aber dafür unglaublicher Lage) auch den doppelten Preis abknöpfen: 400 Pesos statt 200. Das wären etwa zwanzig Dollar!!! Für ein ekliges Plumpsklo, ohne Wasser, ohne Dusche! Wir lachten und winkten ab, bereit, wieder zusammenzupacken und weiterzufahren. Aber auch hier wirkte unsere Reaktion entwaffnend und wir durften zum Standardtarif bleiben – wie großzügig!

 

Wir waren sehr froh, doch hier gewesen zu sein, doch nun ruft Loreto, wohin wir für eine weitere Nacht zurückfahren, weil das Städtchen auf dem Weg nach La Paz liegt, wo unser Spanischkurs stattfinden wird. Zu Loreto gibt es übrigens noch etwas Lustiges zu erzählen: Hier lernten wir beim ersten Besuch schon Shaun und Scott kennen, zwei american guys, ziemlich schräg und zieeemlich entspannt drauf. Shaun reist mit zwei Hunden seit fünf Jahren in seinem Van herum und Scott in einem Subaru SUV. So sehr sie uns mit ihrer lauten Art und manchmal sehr sinnentleertem Gerede genervt haben, waren wir doch so froh um die beiden, weil sie einfach nett und freundlich waren. Ein älteres Paar aus Deutschland machte sich nicht einmal die Mühe, uns zu grüßen und muffelte nur herum. So viele Vorurteile über die Amerikaner auch im Umlauf sind: sie sind offen und freundlich. Viele Deutsche, die wir kennengelernt haben, schienen eher engstirnig und kleinkariert zu sein. Die lange Abwesenheit aus dem Land, in dem wir beide aufgewachsen sind, hat uns gelehrt, es aus einer gewissen Distanz neu zu sehen, die Vor- und Nachteile eines Lebens in Deutschland weniger subjektiv abzuwägen und die Rückkehr nächstes Jahr zu einer Wahlentscheidung und nicht zur Pflicht zu machen.

 

Na, fällt euch was auf?

 

Alle die sich jetzt fragen ob wir auf einmal fliegen können, müssen wir leider enttäuschen.

Vielmehr hat Steffi ihre Drohne ausgepackt und diese atemberaubenden Luftbilder von unserm Platz gemacht :-)

So eine Drohne ist was Tolles!

Vielen Dank Steffi und Ozy!

Kommentar schreiben

Kommentare: 7
  • #1

    Rosie (Freitag, 20 Dezember 2019 07:40)

    Dieser Bericht haut mich vom Hocker ! Wundervoll, traumhaft schön, einfach WOW!

    Herzliche Grüße an Euch zwei Lebenskünstler STEPHIE & LUKAS!!!

    Meine FREUDE ist mit EUCH!

    ROSIE

  • #2

    Honda4Ever (Freitag, 20 Dezember 2019 20:40)

    Guter Gedanke.....

    ....ich überlege gerade ob ich die Rückkehr im Januar an meinen Arbeitsplatz zur Wahlentscheidung oder
    zur Pflicht mache....

  • #3

    Honda4Ever (Freitag, 20 Dezember 2019 20:55)

    Die Drohnenbilder sind wirklich schön, ist mir auf Campo 7 schon aufgefallen.
    Macht schon was her und so ne kleine Drohne würde sogar noch auf ne kleine Honda passen.....
    ..... bald ist ja Weihnachten ;-)

  • #4

    Helg u. Horst (Freitag, 20 Dezember 2019 21:28)

    Was für ein Anblick - Sonne, Strand und Meer traumhaft schön.
    Jetzt seid ihr in Mexiko angekommen.
    Wir haben nach anfänglichem Schmuddelwetter
    zur Zeit sagenhafte 11 ° +
    Genießt die schöne Zeit .
    Wir sind in Gedanken immer bei euch.

    Liebe Grüsse aus der Ferne O. U. O.



  • #5

    Rosie & Jochen (Sonntag, 22 Dezember 2019 06:49)

    Querida Stefanie y querida Lukas,

    les deseamos a todos una Feliz Navidad y todo lo mejor en el viaje de sus sueños en su motocicleta por Mexico. Calidas saludas navideños...

    Tuyo

    Rosie & Jochen

  • #6

    Uwe aus Gö (Dienstag, 24 Dezember 2019 00:20)

    Ein Traum diese Hütte am Strand ....
    ..... Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr ;-)
    Liebe Grüße aus Göttingen
    U+Ch+A

  • #7

    Steffi und Ozy (Donnerstag, 26 Dezember 2019 18:35)

    Ihr Lieben!
    Wir haben uns sehr gefreur, Euch wiederzutreffen! Eine schöne Überraschung, als es vor unserem Fenster plötzlich getrötet hat!
    Wir wünschen Euch einen Guten Rutsch ins Neue Jahr und weiter eine unfallfreie, spannende und bereichernde Reise voller neuer Entdeckungen!
    Alles Liebe!
    Steffi und Ozy