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Mexikanisches Reisecamp

Endlich Ruhe! Nach all den Planänderungen, dem Stress und all der Organisation der letzten Wochen wurde es Zeit, endlich einen Gang herunterzuschalten. Der Campingplatz in La Bufadora erschien uns hierfür geradezu perfekt und wir entschieden uns spontan dazu, etwas länger hier zu bleiben. Es wurden letztendlich elf Nächte. Gleich zu Beginn wurden wir von anderen Reisenden aus Deutschland, Brasilien und der Schweiz herzlich aufgenommen und durften unser Zelt sogar in einer überdachten Gemeinschaftshütte aufstellen. Die Entscheidung sollte sich bereits in der ersten Nacht als überaus sinnvoll herausstellen, denn der Regen peitschte unerbittlich gegen die dünnen Fenster der Hütte und dort, wo wir eigentlich unser Zelt aufstellen wollten, verwandelte sich der Boden binnen Minuten in eine glitschige Schlammlandschaft, die alles, was mit ihr in Berührung kam, einen brauen Anstrich verlieh.

 

Der Campingplatz stellte sich als absolut traumhaft heraus: Der Besitzer, Riccardo, ein ruhiger Mexikaner, war sehr nett und kümmerte sich stets um alle Belange. Es gab Spültoiletten mit fließendem Wasser, eine Dusche (die mit etwas Geduld auch warmes Wasser herausbeförderte), viele Sitzgelegenheiten und Palmen, die dem Platz ein gewisses Urlaubsflair gaben. Paradiesisch! Und auch mit dem Preis waren wir (ganz im Gegensatz mit dem vieler Campingplätze in den USA) absolut einverstanden. Das WLAN funktionierte stabil, sodass wir erledigen konnten, was wir als Reisende eben so zu erledigen haben. Auch das Online-Spanischlernen klappte so hervorragend. Selbst die Motorräder fühlten sich unter ihrem Regendach wohler denn je.

 

Die nassen Tage vergingen wie im Fluge. Der Regen verzog sich und die Sonne kam endlich wieder heraus. Nicht zu unterschätzen ist allerdings, dass sich auch hier um kurz nach halb fünf die Sonne verabschiedete und die Nacht hereinbricht. Das scheint nicht ganz zum hier erfahrenen Wetter und zu den Temperaturen zu passen, mögt ihr vielleicht denken. Aber selbst Mexiko ist ein Land auf der Nordhalbkugel, wo morgen (1.12.) kalendarischer Winterbeginn sein wird.

 

Stundenlange Gespräche über das Reisen und das Leben, Nachmittage in der Hängematte und ausgedehnte Spaziergänge – das war für alle hier der erste Urlaub auf ihrer Reise. Die Tage vergingen und verschmolzen ineinander und oft wusste keiner mehr so richtig, ob etwas gestern, vorgestern oder vor einer Woche geschehen war. Gefühlt mussten wir auch bei der Buchführung, die wir alle paar Tage tätigen, mehr Tage als sonst nachtragen... Die Zeit verging so schnell!

 

Wo wir uns bei der Begegnung mit Radreisenden sonst immer als die Luxusreisenden gefühlt hatten, so war es hier einmal anders: Standheizungen, gemütliche Wohnkabinen, Küchenzeilen und jede Menge Stauraum – die Vorzüge des „Overlanding“ , wie sich die Vierradreisenden gern selbst bezeichnen, lassen uns oft von unserem kleinen gelben Bus träumen. Auch der etwas längere Stromausfall, der für uns mit sich brachte, dass wir im Dunkeln saßen, ließen uns den Bulli mehr als einmal herbeisehnen.

 

Hier ein paar Kurzportraits unserer neuen Freunde:

Ozy und Steffi aus der Schweiz reisen mit ihrem Reisefahrzeug auf RAM2500-Basis seit Mitte April diesen Jahres durch Kanada, die Staaten und Mexiko und werden auch noch einige Zeit auf den nord- und südamerikanischen Kontinenten unterwegs sein. So genau wissen sie das noch nicht, weil sie sich überall zu Hause fühlen, führen sie doch ihr Häuschen mit sich. Ihre Homepage findet ihr unter unserer Rubrik „Reisefreunde“.

 

Ebenfalls seit April unterwegs ist Rüdiger und zwar mit seinem Landrover, der ebenfalls ein gemütliches Domizil beherbergt. Mit ihm haben wir viele interessante und ungewöhnliche Gespräche geführt, die ziemlich in die Tiefe gingen. Wie sehr uns das, bei doch vielen eher oberflächlichen Gesprächen, gefehlt hat, haben wir erst durch die Bekanntschaft mit ihm gemerkt. Auch seine Homepage haben wir verlinkt.

 

Vagner und seine Frau Tatjana und deren beide Hunde Yukki und Akira kommen aus Brasilien und fahren auch schon länger mit ihrem selbstausgebauten Van durch Nord- und Südamerika.

 

Nach Wochen in der Wüste hatten wir schon nicht mehr damit gerechnet, ihn jemals zu Gesicht zu bekommen doch da war er nun, versteckt unter Stefanies Handtuch – ein Skorpion. (Da, da, da, dam! - stellt euch Horrorfilmmusik vor!) Mit einer gewissen Unsicherheit wurde er eingefangen und sicher in eine Plastikbox mit Deckel verpackt und obwohl er nur sehr klein war, wirkte er mit seinem in Angriffstellung aufgestellten Stachel äußerst respekteinflößend. Tödlich sollte der Stich wohl nicht sein, jedoch äußerst schmerzhaft und das über mehrere Tage. Unter Umständen können sich Fieber, Schüttelfrost, Lähmungserscheinungen an der Einstichstelle und neuronale Auffälligkeiten dazugesellen. Na super. Das Ausschütteln unserer Schuhe ist schon lange Teil der Routine, aber jetzt sind wir wachsamer denn je: Der Zeltreißverschluss ist IMMER fest verschlossen, Rücksäcke ebenso, Jacken werden erst ausgeschüttelt und dann angezogen bzw. weggepackt. - Und doch wäre es zwei Tage später beinahe soweit gewesen, dass sich ein medizinischer Notfall ergeben hätte: Beim Duschen flüchtete sich ein Skorpion vor den Wassermassen in Stefanies Badelatschen. Genauer gesagt in Angriffsstellung zwischen Fußgewölbe und Schuh. Ein kühler Kopf und das schnelle Abstreifen des Schlappens konnte zum Glück Schlimmeres verhindern. Um ein abenteuerliches Erlebnis reicher duscht jetzt auch immer ein komisches Gefühl mit und wir wissen nun umso mehr unser unbeschwertes (und absolut un-tödliches) Mitteleuropa zu schätzen.

 

Nach elf Tagen in unserem Reisecamp machen wir uns zum 1. Dezember auf, die Baja California weiter in Richtung Süden zu fahren. Der Abschied fällt uns sehr, weil wir uns bei unseren neuen Freunden sehr wohlgefühlt haben. Aber auch Rüdiger und die Schweizer werden dem Ruf der Straße bald folgen und vielleicht sehen wir uns wieder – wenn nicht auf dieser Reise, dann bestimmt irgendwann einmal in Europa.

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Kommentare: 5
  • #1

    Honda4Ever (Sonntag, 01 Dezember 2019 21:13)

    .....die Straße hat Euch wieder und in Mexiko findet Ihr sicher eine kleine Kirche, wo Ihr morgen eine
    Kerze anzünden könnt....

  • #2

    Rosie & Jochen (Montag, 02 Dezember 2019 10:29)

    Hallo, lieber Lukas,

    soeben haben wir den Song von Eric Clapton gehört: " Sentimental Moments" und an den Geburtstag eines lieben unvergesslichen Menschen gedacht.

    Herzlichst

    R& J

  • #3

    Steffi und Ozy (Dienstag, 03 Dezember 2019 05:27)

    Ihr Lieben!
    Es war super mit Euch im Campo 7 und wir haben uns gefreut, Euch kennenlernen zu dürfen!
    Wir hoffen, dass sich unserer Reisewege wieder einmal kreuzen!
    Inzwischen: ¡Los deseamos a vosotros mucha suerte y un bien viaje!
    Alles Liebe
    Steffi und Ozy

  • #4

    Uwe aus Gö (Dienstag, 03 Dezember 2019 13:47)

    Gute Weiterfahrt auf der Halbinsel, die traumhaft schön sein soll, "Weltkulturerbe".
    .... da gibt es bestimmt noch einige von den kleinen, bewaffneten Krabbeltierchen ;-)
    .... und natürlich noch viel mehr interessante Flora und Fauna ..... Gott schütze euch !

  • #5

    Helga u. Horst (Mittwoch, 04 Dezember 2019 17:26)

    Hallo Ihr Zwei
    Wir haben uns letzte Woche einen Film über Mexiko angesehen, da ist es wunderschön.
    Fröhliche Menschen, alles sehr bunt, viel Musik und Tanz.
    Lasst euch treiben, dann findet Ihr schon was zu euch passt.
    Anstelle der Krabbeltierchen sollte euch Speedy Gonzales begegnen
    das wäre sicher lustiger.
    Weiterhin gute Fahrt und bleibt gesund.
    Ganz liebe Grüsse O. u. O.