· 

Hola México!

 

Mexiko! Was ist das für ein Land? Was wissen wir darüber, über die Leute, über die Kultur, über die Bräuche? Was weiß man über Mexiko, wenn man keine Nachrichten sieht? Und – was wohl eher zutrifft – wenn man sich über die üblichen Medien informiert?

 

Die Sache ist die, dass Mexiko, nur aus Sicht der Nachrichten betrachtet, nicht im besten Licht steht: Gefährlich soll es dort sein, eine Drogenmafia soll es geben und auch so drohen Raubüberfälle und Bedrohungen durch Menschen und giftige Tiere. Dass das überspitzt dargestellt, negativ vereinfacht und in keinster Weise alles sein kann, was es in Mexiko gibt, liegt auf der Hand. Schließlich leben überall auf der Welt offene, herzliche Menschen, die sich freuen, dass man ihr Land bereist. Wie schon in den USA hat sich uns gezeigt, dass die Berichtserstattung der Medien unserer Meinung nach nie ausgewogen beide Seiten darstellt – Amoklauf hier, Attentat da...

 

Wir haben beschlossen, uns über Mexiko ausgiebig zu informieren, die Seite des auswärtigen Amts ausführlich zu studieren und offenkundige Sicherheitshinweise (nicht nachts fahren, gewisse Gebiete meiden, Kreditkarte sicher verwahren usw.) zu beachten – und aber gleichzeitig nicht in Panik zu verfallen. Etwas Kleingeld packten wir hier und da verteilt nach hier und da, um im Notfall immer etwas griffbereit zu haben. Von unseren wichtigsten Papieren (Ausweise, Reisepässe, Fahrzeugpapiere, Führerscheine) stellten wir Kopien her. Unser Credo ist: lieber haben und nicht brauchen als andersherum.

 

In aller Katzenfrüh zogen wir am Dienstag, den 19. November von Julian (USA) aus los, um möglichst früh am Tag über die Grenze zu kommen. Vor dem Grenzübergang in Tijuana wird aus diversen Gründen abgeraten und auch so ist dort so viel los, dass wir uns einen kleineren Grenzübergang suchten, den in Tecate. Nach einem letzten Tanken und einem mulmigen Gefühl (das sich aber eher auf die Polizeipräsenz in der Grenzregion schieben ließ) fuhren wir zur Grenze. Dort mussten wir, das hatten wir vorher herausgefunden, den kleinen Zettel aus unseren Reisepässen an die Amerikaner zurückgeben, damit diese wissen, dass wir rechtzeitig ihr Land verlassen haben – schließlich wollen wir im Frühjahr wieder in die Staaten einreisen. Nun standen wir an der Grenze und grün/weiß/rot leuchtete die große Aufschrift „MEXICO“ am Torbogen, den man hinter der Grenze sehen konnte. Doch – wo können wir unsere Zettelchen abgeben? Weit und breit keine eindeutigen Informationen vorhanden. Wir stellten fest, dass aus einem unscheinbaren Gebäude immer wieder Menschen heraustraten und anhand der unauffällig angebrachten Anschrift vermuteten wir hier den amerikanischen Grenzposten. Ein Officer in der Mittagspause bestätigte Lukas, dass unsere Vermutung richtig war. Also machte sich Stefanie mit den Reisepässen – während Lukas die Motorräder bewachte – auf den Weg in das Gebäude. Dort musste sie einer freundlichen Grenzbeamtin einige Fragen beantworten, die sich auch auf die Weiter- bzw. Rückreise bezogen und bekam die Zettelchen aus den Pässen entfernt. Kein Gestempel – nichts. Uniformen rufen bei vielen ein mulmiges Gefühl hervor, so auch bei Stefanie. War es das? Dürfen wir einfach so aus dem Land heraus und im Frühling wieder hinein, um über die Ostküste der USA wieder nach Halifax, Kanada, zu gelangen? Es scheint so.

 

Am mexikanischen Grenzposten winkte man uns einfach durch und Anhalteversuche und das verzweifelte Zeigen auf die Motorräder schlugen fehl. Wir sollten durchfahren. Lukas konnte zum Glück die Sachlage aber so deutlich machen, dass sie uns anhielten, um die Ecke zu parken. Hier bewachte Stefanie Hab und Gut, während Lukas erklärte, dass wir beide die mexikanische Touristenkarte benötigen und zwar für jeweils 180 Tage, das Maximum, und dass die Motorräder ordnungsgemäß eingeführt werden, damit sie auch legal bei uns sind. (Zum Glück gibt es einschlägige Internetseiten, die genau schildern, wie man konkret vorzugehen hat und mit welchen Kosten zu rechnen sind. So wussten wir schon, was wir zu wollen hatten.)

 

Lukas füllte also seine Touristenkarte bei einem netten Zollbeamten aus, der ihm noch etwas Honig zum Kauf anbot (Verwirrend!), ging zur Zahlstelle, bezahlte dort ca. 28 Euro und holte Stefanie, damit sie gleich vorgehen konnte (und auch verwirrt war, ob sie den Honig nun kaufen musste oder nicht). Anschließend ging Lukas die beiden Touristenkarten, die Pässe und die Fahrzeugpapiere kopieren und eilte wieder zur Zahlstelle, um dort 400 Dollar Kaution für sein eingeführtes Motorrad zu hinterlegen. Bank Nummer 1 wies die Zahlung zurück, sodass er froh war, noch eine weitere Kreditkarte mit sich zu führen... Uff! Anschließend wiederholte Stefanie die ganze Prozedur, sodass wir endlich sagen konnten: WILLKOMMEN IN MEXIKO!

 

Ein Problem aus der zurückgewiesenen Zahlungen war, dass wir nun auf Konto 2, von welchem aus wir bezahlt hatten, zu wenig Geld hatten. Also fuhren wir zu zum „goldenen M“, in der Hoffnung, vom dortigen Internet aus Geld von A nach B transferieren zu können. Dass das Ganze mit Stress und Anspannung gezeichnet war, ergab sich aus der Tatsache, dass die Sonne schon bald untergehen würde und wir aber noch einige Kilometer unter die Räder nehmen mussten, damit wir aus dem als unsicher deklarierten Grenzgebiet herausgelangen konnten. Auf dem Weg nach Guadalupe, wo wir mit unserer App einen als „gut“ befundenen Campingplatz entdeckt hatten, lernten wir auch sofort die Verkehrsregeln und die Fahrweise der Mexikaner kennen.

 

Unsere Erkenntnisse waren: Stoppschilder (ALTO) tauchen aus heiterem Himmel aus, sind manchmal schlecht zu erkennen und stehen oft unauffällig am Wegesrand. Abbremsen am Stoppschild aus 70, 80 km auf Null ist keine Seltenheit. Die Schilder werden aber in der Regel beachtet. Die Geschwindigkeitsbegrenzung wird nicht eingehalten – nicht überraschend, ehrlich gesagt. Es wird aber von einem Nicht-Raser (also uns) erwartet, auf den Standstreifen auszuweichen, damit man überholen kann. (Das Überholen bei Gegenverkehr stellt übrigens kein Hindernis dar.) Knapp vor Sonnenuntergang trafen wir in Guadalupe ein und durften freundlicherweise unser Zelt überdacht aufstellen, denn pünktlich zu unserer Einreise nach Mexiko sollten die ersten Winterstürme und -regen einsetzen. Was das konkret für uns bedeutete und wie sich unsere Abendgestaltung für uns dadurch verändern sollte, zeigt euch folgendes Bild:

 

Es regnete, regnete und regnete. Das Wasser fiel gefühlt eimerweise vom Himmel, sodass der karge, harte Boden es gar nicht aufnehmen konnte. Es bildeten sich erste Seen und als die ersten Dämme brachen, sahen wir das Zelt aufgrund der minimalen Abhanglage in Gefahr. Wir hoben mit unserer Schaufel und einer aus einer Wasserflasche improvisierten Grabvorrichtung tiefe Gräben aus und gaben dem Wasser eine neue Abflussrichtung, die um unser Zelt herumführte. Nach etwa drei Stunden war die Gefahr gebannt und das Wasser versickerte... Übrigens waren wir beide zu diesem Zeitpunkt stark erkältet, verschnupft und von heftigen Halsschmerzen geplagt. Und dann noch so etwas! Der Absurdität zu Trotz lachten wir über die heutigen Ereignisse und fielen in einen tiefen Schlaf. Am nächsten Tag wollten wir nach La Bufadora weiterfahren, auf eine schmale, hochgelegene Landzunge, auf der ein hochgelobter Campingplatz mit heißer Dusche, Aufenthaltsraum (oder eher eine Art Aufenthaltshütte in Tippiform) und sogar WLAN lockte – wir konnten es kaum erwarten. In Ensenada deckten wir uns mit Leckereien und einer mexikanischen SIM-Karte ein und fuhren, vorbei an motorradfressenden Schlaglöchern, zum angepriesenen Platz.

 

Dass wir nun, über eine Woche später, immer noch hier sind, hat nicht nur mit dem schönen Platz zu tun, sondern auch mit Tatjana, Vagner, Osy, Steffi und Rüdiger, die wir hier kennengelernt haben und mit denen wir uns hervorragend verstehen. Aber das ist eine andere Geschichte...

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Honda4Ever (Samstag, 30 November 2019 01:06)

    Bienvenido a Mexico

    .....habt Ihr richtig gemacht, früh los gefahren und Tijuana umgangen .

    Mexiko ist trotz aller negativen Berichterstattung ein beliebtes Reiseziel.

    Mit La Bufadora habt Ihr für den Anfang schon einen tollen Ort gefunden.
    Ist bekannt für eine enge Felsspalte, wo das Meerwasser 20 Meter hochspritzt.

    Da Verkehrserziehung nichts nützt gibt es in Mexiko Topes 'schlafende Polizisten'.
    Das sind die berüchtigten Bodenwellen, die gibt es auch auf Autobahnen, aber keine Panik ,
    10 Meter vorher gibt es ein Warnschild;-)
    ......eine Frage hab ich noch: War der Honig Zollfrei???
    Viele Grüße Ihr ahnt wahrscheinlich von wem:-):-):-)

    ..