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Hollywood

Die komplett neue Ausrichtung unserer Reise bedeutete nach kurzer Euphorie natürlich in erster Linie sehr viel Vorbereitungsarbeit. In unseren ursprünglichen Plänen kam ja Mexiko schließlich gar nicht vor und somit nahmen wir das Angebot von Marta und Al, noch ein paar Tage bei ihnen bleiben zu dürfen, gerne an. Nach vielen Stunden Recherche und stand er dann, unser neuer Plan. Zuerst entlang der Baja California bis nach La Paz soll es gehen. Dann mit dem Schiff aufs mexikanische Festland und von dort aus dann das Land erkunden. Vielleicht noch einen Abstecher nach Guatemala und die anderen kleinen Länder Mittelamerikas, bevor die Straße uns im Frühling zurück in die USA und entlang der Westküste zurück Kanada führen soll. Genauer gesagt nach Halifax. Ihr erinnert euch, dort, wo unsere Reise am ersten August begann, soll sie dann auch wieder enden – einmal im Kreis quasi. Doch wir wollen hier mal nichts in Stein meißeln, denn wer weiß, was sich nicht noch alles auf unserem Weg ergeben wird und bevor wir hier zu sehr in die Zukunft schweifen, erzählen wir hier lieber noch ein paar Erlebnisse aus Gegenwart und naher Vergangenheit.

 

Wenn wir mal nicht gerade mit Planung oder dem Pflegen der Ausrüstung beschäftigt waren, ließen es sich Marta und Al nicht nehmen, uns ausführlich die nähere Umgebung zu zeigen. An einem Tag nahmen sie uns mit auf einen Ausflug in eine wunderschöne Palmenoase mitten in der Wüste. Wer denkt denn bitte bei einer Reise durch die USA an so einen Ort? Wir zumindest hatten damit nicht gerechnet und waren überwältigt von all dem satten Grün inmitten der kargen Wüste. Da die Oase inmitten eines Ureinwohner-Reservats lag, konnten wir hier noch einige interessante Hintergrundinformationen zum Leben und der sozialen Stellung dieser Bevölkerungsminderheit inmitten der heutigen US-Gesellschaft erfahren.

 

Ein anderer Ausflug führte nach Sunnyland, auch eine Art Reservat, doch ganz anders als das letzte. Als „Sunnyland“ bezeichnet sich ein riesiges Anwesen mit großen Gärten, Golfplatz und einem luxuriösem Wohnsitz in der Mitte. Dieser Ort, erbaut in den 60er Jahren, diente nahezu allen US-Präsidenten der letzten 50 Jahre als geschützter Rückzugsort. Als Besucher muss man sich allerdings mit einem Film über die Geschichte des Anwesens, einer Kunstausstellung und einem wirklich schönen Kaktusgarten zufriedengeben. Der Rest ist natürlich top secret ...

Den Rest der Zeit verbrachten wir damit, Lucy und Windy, die beiden Hundedamen unserer Gastgeber, zu bespaßen. Windy, die etwas betagte Chihuaha-Dame wirkte jedoch meistens eher skeptisch, wenn die deutlich jüngere Kubanerin Lucy laut hupend mit ihrem Quietsche-Spielzeug durch den Flur hüpfte. Die Hunde waren übrigens nicht die einzigen Tiere, die uns hier in Aufruhr versetzten. Ein Schwarm äußerst aggressiver Bienen aber auch freundliche Kolibris und flinke Roadrunner ließen uns immer wieder erstaunen.

Nach ganzen zehn Tagen, nie zuvor waren wir auf unserer Reise so lange an einem Ort, hieß es dann Abschied nehmen, doch wir waren auch froh, endlich mal wieder unabhängig sein zu können und tatsächlich waren wir auch drauf und dran, etwas bequem zu werden.

Los Angeles war die komplette Reise über als Ziel der Durchquerung der USA gedacht, sollten doch die Motorräder von dort aus nach Chile verschifft werden. In Desert Hot Springs, bei Al und Marta, planten wir zunächst, die Kisten mit den Hondas zu packen, diese dann mit einem Miettransporter ins 200 km entfernte Los Angeles zu bringen und dort noch ein paar Tage bis zum Abflug, den Motorrädern hinterher, zu bleiben...

 

Durch die abrupte Planänderung veränderte sich jedoch unsere Sichtweise auf L.A.; wir mussten ja nicht mehr dorthin. Wollen wir uns die große Stadt trotzdem ansehen? Eigentlich hatten wir nach der ganzen Planerei das Gefühl, eher Ruhe als noch eine Stadtbesichtigung zu benötigen. Andererseits waren wir quasi schon im Großraum LA und wer weiß, wann wir wieder einmal in den USA sein würden? Es wäre also schade, die Stadt nicht zu besuchen und es hinterher zu bereuen. Wir entschieden, ein Motel in einer umliegenden Stadt zu suchen, das eine gute Bahnanbindung in die Stadt der Engel hat und uns dort für ein paar Tage einzunisten. Somit landeten wir in Corona, genau, wie das Bier. :D

 

Für LA planten wir, Hollywood, den „Walk of Fame“ und Santa Monica Beach anzusehen. Ansonsten gingen wir nach dem für straymotocats obligatorischen „no plan plan“ vor und entschieden, uns einfach treiben zu lassen. Los Angeles faszinierte und entsetzte uns zugleich: Es gab wunderschöne Ecken, viel zu sehen, erstaunlich wenig Touristen und die Vorstellung, wer an Prominenz schon alles hier gewesen sein muss, begeisterte uns. Wir grasten einen Teil des „Walk of Fame“ ab, fotografierten die Sterne von Persönlichkeiten, die uns interessierten, begutachteten die Hand- und Fußabdrücke weiterer Prominenz und fuhren dann mit der Metro hinaus an das Meer, genauer gesagt nach Santa Monica. Dort hielten wir zum ersten Mal seit.... Amherst Shore, New Bruswick, Ost-Kanada!!! die Füße hinein. Den Pazifik hatten wir zwar schon gesehen, ihn mit einem Spaziergang durchs Wasser begrüßt, das hatten wir aber nicht. Wir entdeckten noch zwei Maskottchen für die Motorradlenker und fuhren abends müde und bis obenhin voll mit Impressionen zurück in unser Motelzimmer und schliefen recht schnell wie die Steine ein. Es war sehr schön, in LA gewesen zu sein, aber ein Tag, so beschlossen wir, reicht uns vollkommen.

Nun gilt es, eine weitere To-Do-Liste für die Einreise nach Mexiko abzuarbeiten:

  • Dollar holen, die wir im Notfall in Mexiko eintauschen können

  • Wo bekommen wir Pesos?

  • Wie funktioniert die Ausreise für uns aus den USA?

  • Wie für die Motorräder?

  • Wie funktioniert die Einreise für uns? Visum?

  • Wie werden die Motorräder registriert?

  • Fährt die Fähre von der Baja California zum Festland?

  • Wie funktioniert das mit der für die Motorräder zu hinterlegenden Kaution?

  • Zurechtlegen einiger wichtiger spanischer Sätze für den Erstkontakt ;-)

  • … etc....

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Kommentare: 4
  • #1

    Rosie (Dienstag, 19 November 2019 06:32)

    Hi, guys,

    freue mich tierisch mit Euch über Eure tollen Erlebnisse , empfehle Euch zwischendurch mal ein Musikvideo auf YOUTUBE anzusehen und anzuhören: " The HU- Wolf Totem" (official Music Video)!

    Herzlichst
    Eure

    ROSIE

  • #2

    Helga u. Horst (Donnerstag, 21 November 2019)

    Wälder - Seen - Bären - Regen - Kälte -Wüste - Hitze -
    viele liebe Menschen -
    Las Vegas - Hollywood
    und ein Stern für Stefanie
    was kommt noch ?
    wir können es kaum erwarten.
    Weiter so, wir drücken die Daumen.
    Eure O. u. Os

  • #3

    Helga u. Horst (Donnerstag, 21 November 2019 20:57)

    Hab natürlich das schönste vergessen.
    Die Sonnenauf und Untergäge
    kochen zu zweit
    Spaziergänge am Meer und in der Natur
    gemütliche Abende am Zelt
    Beneidenswert :-)

  • #4

    Rosie & Jochen (Samstag, 23 November 2019 09:54)

    Euer gepflegtes Äusseres auf Euren Fotos fällt uns positiv auf! Ihr seid sehr fotogen! Wie INNEN so AUSSEN.

    Rosie & Jochen