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Kalifornien Teil 3

Mit neu behuften Motos und zahlreichen von Wallys leckeren Pancakes im Bauch (Pat war das Wochenende nicht zu Hause und Wally nahm es mit seinen Diätvorsätzen nicht ganz so genau), hieß es exakt eine Woche nach Ankunft in Lakeport „good bye“!
 

Anders als sonst, wir starten für gewöhnlich ins Ungewisse, hat Wally uns direkt an seinen Neffen nach Sacramento weitervermittelt. Das kam uns wie gelegen, denn Sacramento liegt genau zwischen Lakeport und unserem nächsten Ziel, dem Yosemite Nationalpark, und in der Hauptstadt Kaliforniens kostet ein Zeltplatz beinahe 100 Euro - pro Nacht, im eigenen Zelt.

 

Wallys Neffe Caleb und seine Frau Jocelyn nahmen uns herzlich in Empfang und gaben uns ein wunderschönes Zimmer in ihrem Haus. Es ist immer noch unvorstellbar, wie offen wir immer wieder empfangen werden, muss man doch wissen, dass die beiden erst kurz vorher von ihrem Islandurlaub zurückgekehrt waren, Vollzeit arbeiten und auch erst an selbigem Tag von unserer Ankunft erfuhren.

 

Anstatt der geplanten einen Übernachtung blieben wir schließlich drei Nächte.

Wer sich jetzt fragt, ob uns nicht mal langweilig wird, dem sei gesagt, dass ein Tag auf Reisen oft schneller zu Ende geht, als es einem lieb ist. Auch wenn es sich nicht immer so anfühlt, auch hier ist es Herbst. Nachts wird’s kühl und um halb sieben ist es dunkel. Wer also gemütlich mit der Sonne aufsteht und zum Frühstück auch mal eine zweite Tasse Kaffee trinken möchte wird sich schwertun, ohne Stress beim Zelt abbauen und Moto bepacken vor zwölf Uhr überhaupt loszukommen. Der nötige Einkauf im immer anders sortierten Riesen-Supermarkt wird auch schon mal zum ungewollten und zeitraubenden Abenteuer und dann muss ja auch noch ein Platz für die Nacht her – am besten vor halb sieben... Ihr seht also, fürs Vorwärtskommen bleiben da manchmal nur ein paar Stunden Zeit und, ach stimmt ja, etwas essen muss man ja auch noch... Um so wichtiger ist es dann auch mal ab und an, irgendwo zwei oder mehr Nächte zu bleiben. Dieser Blog schreibt sich nicht von allein, all die Fotos wollen sortiert und geordnet werden, dann noch ab und zu Wäsche waschen und die weitere Reise darf auch nicht außer Acht gelassen werden.

 

Somit verging die Zeit bei Caleb und Jocelyn wie im Fluge. Abends nach der Arbeit ließen sie es sich nicht nehmen, uns obendrauf noch zum Essen einzuladen und bei einem Nachtspaziergang ihre Stadt näher zu bringen. Wir revanchierten uns am nächsten Abend mit einer zweckfremd in der Pfanne zubereiteten marokkanischen Tajine und hätten mit diesen wundervollen Menschen sicherlich noch viele weitere Abende verbringen können.

 

Nach so langer Zeit waren wir aber tatsächlich auch froh, wieder einmal unsere eigenen vier (Zelt-) Wände aufstellen zu können und ganz auf uns allein gestellt zu sein bevor wir nach so viel Zeit in Städten und mit Menschen wieder in die Welt der großartigen Naturspektakel eintauchten.

 Großartige Naturspektakel sind etwas Tolles, denn sie sind ja schon da und trotzdem kann man viel Geld mit ihnen verdienen. Diese Gedanken kamen uns jedenfalls, als wir für unsere kleinen Hondas unser gesamtes Tagesbudget zum Durchfahren des Parks abdrücken mussten, da hier mal wieder nach Fahrzeuganzahl und nicht nach Sinn und Verstand abkassiert wurde. Auf Diskussionen darüber, dass ein riesengroßes Wohnmobil mit dem vielfachen Gewicht und Schadstoffausstoß unserer kleinen Motorräder weit weniger blechen muss ließ man sich jedenfalls nicht ein und so blieb uns nichts anderes übrig (Die einzige Route ohne Riesenumweg führte hier lang!) als das so hinzunehmen. Aufgrund der vielen Staus im Yosemite-Valley wurden sämtliche Straßen als Einbahnstraßen ausgelegt und trotzdem war es brechend voll. Was auch immer das mit Naturschutz zu tun haben soll ist für uns jedenfalls fraglich und warum der Individualverkehr nicht einfach komplett verboten und die vier Millionen Menschen jährlich nicht einfach mit Bussen in den Park gefahren werden können wir uns nicht erklären. Fragen über Fragen, aber toll ist es dort trotzdem.

 

 Den Klettersport haben wir zwar beide vor einigen Jahren an den Nagel gehängt, aber was sich hier darbot, überschritt all unsere kühnsten Kletterfantasien vergangener Tage: El Capitan, jener fast 1000 m senkrecht empor ragender Fels, der mit seiner wohl bekanntesten Route „The Nose“ wohl das Sehnsuchtsziel eines jeden Kletterers darstellt. Gut trainierte Seilschaften benötigen drei bis vier Tage für den Durchstieg und übernachten auf einer Pritsche an der Wand, ein paar Profis schaffen es in unter zwei Stunden und ein paar ganz Wagemutige sparen sich das Seil und klettern ohne hinauf – nichts für sensible Nerven!

 

Wenn auch nur im Vorbeifahren und bei kurzen Stopps konnten wir den Flair dieses magischen Ortes spüren. Kletterer, die nur für diese eine Wand zu leben scheinen und mit ihren Schrottkarren und abgenutzter Ausrüstung weit mehr vom Gefühl des Bergsportes vermitteln als es je einer dieser perfekt aus dem Outdoorkatalog geschlüpften Selbstdarsteller, wie man sie zuhauf in den sozialen Medien findet, schaffen könnte.

 

Eine ganz besondere Begegnung waren Belik und Mike. Die beiden versuchen, alle 48 US-Bundesstaaten innerhalb von drei Monaten mit zwei 50 ccm Rollern zu bereisen und damit in das Guinness Buch der Rekorde zu kommen. Zwei herrlich irre Menschen und endlich waren es mal nicht wir, die die kleinsten Motos haben – mit durchschnittlich 150 Meilen pro Tag (sie müssen unglaublich leidensfähig sein) sind sie trotzdem weitaus schneller unterwegs als wir, aber darauf kommt es uns ja auch nicht an.

Ihr könnt die irren Abenteuer der beiden unter https://projectcreate48.wheelingfortheworld.org/ verfolgen.

 

 

 

Aus dem Yosemite Valley heraus schlängelt sich die Straße steil bergauf und zu unserer Freude nahm auch der Verkehr deutlich ab. Bis auf 3000 m geht’s hinauf. Dreitausend Meter, in den Alpen kommt man da wenn überhaupt auf abgelegenen Schotterstraßen hin, die Baumgrenze ist dann längst überwunden und es sieht dort aus wie auf dem Mond. Mondlandschaft, genau das hatten wir erwartet, als wir auf der Karte die magische Drei vor der Höhenangabe gesehen hatten - aber nicht so hier. Selbst diese Höhe scheint den hiesigen Nadelbäumen nichts auszumachen und beinahe etwas enttäuscht erreichten wir die Passhöhe inmitten eines Waldgebietes, bevor es 1000 m steil bergab ging, in ein ganz neues und ganz besonders Kapitel – in die Wüste.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Michael (Montag, 21 Oktober 2019 01:15)

    Die Nationlparks in den USA gehören zu den ältesten dieser Erde.
    Es ist erstaunlich, das sie in einer Zeit gegründet wurden, als noch Revolverhelden das Sagen hatten.
    Sie wollten damals schon einmalige Naturlandschaften vor Holzfällern und Wilddieben schützen.
    Das sie in ihren eigenen Autos durch den Park fahren ist ganz logisch....
    ......vom Pferd aufs Auto, das wars. Der Bus spielt in der Amerikanischen Geschichte keine Rolle......

    Wie sooft seit Ihr in tollen Landschaften unterwegs und ich träume schon, diese im Rentenalter mit
    einem Elektro-Bulli abzufahren;-)




  • #2

    Christiane (Dienstag, 22 Oktober 2019 19:35)

    ....vielen Dank für die Berichte und die tollen Fotos. Ich weiß eure Mühe zu schätzen, und freue mich, dass ihr uns an euren Erlebnissen teilhaben lasst. Es ist so spannend und schön dabei zu sein...

  • #3

    Rosie (Mittwoch, 23 Oktober 2019 04:23)

    Es ist eine wahre Wonne für mich, auf Eurer Homepage herumzustöbern. Sie ist so informativ und interessant gestaltet, dass für jeden, der sich dafür interessiert ,etwas dabei ist..

    Im Gästebuch hatte sich Euer lieber Gastgeber Cale Broschat schon gemeldet, sodass ich ihn schon über Facebook ausfindig machen konnte; dann die Fotos von Eurem Reisebericht , faszinierend! Auf Instagram die Fotos vom Mono Lake auch ganz toll!

    Schön, dass es Euch beiden Lieben , Steffi und Lukas gibt...und wie Ihr alles meistert , einfach grandios !

    Herzlichst


    Rosie

  • #4

    Helg u. Horst (Mittwoch, 23 Oktober 2019 23:41)

    Es ist so schön zu Lesen, wie viele nette und wunderbare
    Menschen euch auf eurer Reise begegnen und zu
    sich nach Hause einladen.
    Die Bilder sind wie immer wow.
    Weiterhin gute Fahrt O. u. O.