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Kalifornien Teil 1

Dass wir seit Vancouver Island im Herbst angekommen sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Kalte Nächte bei zeitweise warmen Tagen (wobei sich das „zeitweise“ eher in überschaubaren Grenzen hielt ;-), spätere Sonnenauf- und frühere Sonnenuntergänge und vor allem die Bäume läuten den Herbst unübersehbar farbenfroh ein.

 

War es doch früher zu Hause sehr gemütlich, bei Schmuddelwetter am Küchentisch zu sitzen, eine Kerze anzuzünden und mit einer warmen Tasse Tee in der Hand aus dem Fenster zu sehen, hat der Herbst für die Motorradreisekatzen doch etwas Ungemütliches. Aber das war doch klar!, wird der eine oder andere von euch unken, das hättet ihr euch doch denken können, dass ihr in den Herbst fahrt! Ja, das stimmt natürlich! Das wussten wir und finden es doch auch irgendwie gemütlicher, sich warm anzuziehen und in den Schlafsack zu kuscheln, als bei schwülwarmem Wetter zu zerfließen, aber die letzten Wochen, seitdem wir Kanada durchquert hatten, haben doch etwas aufs Gemüt geschlagen. So freuten wir uns umso mehr auf Kalifornien! Kalifornien – das Land der Strände, der blonden wuscheligen Surfer-Dudes, der alten bemalten Karren, der Gitarrenklänge im Sonnenschein... Kalifornien – das Land des ewigen Sommers, das Paradies auf Erden. Ihr seht schon, der Dauerregen in Westkanada und in den nordwestlichen USA hat ziemlich dazu beigetragen, dass wir uns paradiesische Zustände in Kanada vorgestellt haben; selbstverständlich mit einem selbstironischen Augenzwinkern.

 

Nach Portland besuchten wir Stefan und Jayne, die wir vor der Reise über das Internet kennengelernt hatten. Stefan hat uns sehr dabei geholfen, eine Kfz-Versicherung in Kanada und den USA zu bekommen. Nach dem Besuch fuhren wir weiter in Richtung Süden. Wohin wir genau fahren wollten, wussten wir zu dem Zeitpunkt gar nicht, die einzige Bestimmung der derzeitigen Reise lautete: südlich fahren. So weit wie möglich. So schnell wie möglich. Dem Herbst (oder noch viel mehr dem Schnee, denn immer wieder hörten wir von Einheimischen, dass es hier und da schon so und so viel geschneit haben soll) entkommen.

 

Also brausten wir relativ schnell nach Kalifornien durch. Unser erstes, gigantisches Reiseziel sollten die dort wachsenden Küstenmammutbäume sein, die – wie ihr Name vermuten lässt – von gigantischem Ausmaße sein sollten. Wir wurden nicht enttäuscht: Kaum in den Randbereich des Waldes mit den Mammutbäumen hineingefahren, konnten wir uns mit „Sieh mal da! Schau mal hier! Hast du den gesehen? Wouah, ist der dick!“ gar nicht mehr zurückhalten und die Helme schnellten nach links und rechts, so sehr wollten wir all die wunderbaren Werke der Natur, diese unvorstellbar mächtigen und alten Gewächse, in uns aufnehmen. Die Bäume sind wirklich von erstaunlicher Dicke und Höhe, selbst die Baumrinde lässt so eine Menschenhand im Vergleich lächerlich klein und mickerig wirken. Wir selbst fühlten uns im Größenvergleich wie Ameisen neben Milchflaschen. Einem Meter hohen Milchflaschen, wohlgemerkt! Die Wälder wirkten wild und urnatürlich und viele verschiedene Moosarten machten sich auf jeglicher Fläche breit. Es roch ungewohnt erdig und frisch und wir hatten das Gefühl, in eine unbekannte Welt einzutauchen. Nein, solche Wälder gibt es in Deutschland nicht! Sofort verstanden wir, weshalb in dieser Gegend einige Filme gedreht worden sind.

Ein weiterer besonderer Ort auf der Reise durch das Land des ewigen Sommers stellte die Big Lagoon dar. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um eine Lagune, die durch eine Art Wall vom Meer abgetrennt ist. Direkt am Wasser steuerten wir einen Campingplatz an, auf dem leider alle Bereiche am Wasser direkt schon belegt waren. Deshalb nahmen wir einen etwas weiter vom Wasser weg, zogen aber am Folgetag ans Wasser um, juhuuu! Da es uns so gut gefiel, blieben wir insgesamt drei Nächte. An jedem Morgen ging das große Herumgefahre los, weil sich jeder, der des Abends keinen sooo tollen Platz ergattern konnte, einen besseren suchte. Wie auch wir am Morgen nach der Ankunft. Lustig, hatten wir doch versucht, besonders früh hier anzukommen, damit wir einen besonders guten Platz abbekommen. Wir lernen daraus, dass es manchmal einfach erforderlich ist, noch einmal den Aufwand des Umziehens auf sich zu nehmen.

 

Jeden Tag besuchten wir das Meer und ließen die wilde ungezähmte Schönheit des Pazifik auf uns wirken. Diverse Gefahrenschilder warnten vor den hier lauernden Gefahren: Man darf sich auf gar keinem Fall dem Wasser nähern, weil es hier sogenannte „sneaker waves“ gibt, die einen auswegslos in das Meer und in die Tiefe ziehen. Ein Überleben sei sehr unwahrscheinlich, informierte uns eine Broschüre, es seien schon sehr viele Menschen hier ertrunken. Die auf dem Wasser schwimmenden Algen, die man mit bloßem Auge erkennen konnte, wurden außerdem als giftig beschrieben, wodurch wir ohnehin kein Interesse daran gehabt hätten, mit dem Wasser in Hautkontakt zu kommen. Andere Warnschilder informierten, wie man sich im Falle eines Tsunamis verhalten solle. Ihr seht: Für uns als Europäer gibt es hier völlig andere Situationen, denen wir gedanklich erst einmal Herr werden mussten. Wir sprachen viel darüber, über das richtige Verhalten und den Umgang mit Erdbeben. Schon allein das ist es wert, einmal in den USA zu sein: Die Natur ist wunderschön, wild, ungezähmt und man entwickelt noch einmal eine völlig andere Ehrfurcht angesichts ihrer Schönheit, aber auch der Gefahren, die sicherlich in ihr lauern.

Wir haben Klappstühle geliehen bekommen! ;-)
Wir haben Klappstühle geliehen bekommen! ;-)

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Kommentare: 6
  • #1

    Rosie (Mittwoch, 09 Oktober 2019 03:48)

    Hi, you two Straymotocats, Stephie & Lukas,

    fantastic, gigantic, beautiful, great, big, powerful! What a great nature! The nature is the greatest artist . Thank you so much for the report und the happy pictures. And you are a life artist !

    Your 0 & 0 can be proud of you!

    Greetings from GOSLAR

  • #2

    Christiane (Mittwoch, 09 Oktober 2019 16:25)

    Hi ihr zwei, jetzt muss ich auch mal wieder meine Bewunderung für die wunderschönen Bilder und Berichte loswerden...ganz toll, genießt das herrliche Wetter und die traumhafte Landschaft, ich würde gern auf einen Kaffee vorbeikommen. Die Bäume finde ich Mega, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich wünsche euch viel Weisheit und Gelingen bei der weiteren Planung eurer Reise und freu mich schon auf den nächsten Bericht und Fotos. Liebste Grüße!!!

  • #3

    Uwe aus Gö (Mittwoch, 09 Oktober 2019 16:50)

    Zwei Zwerge auf winzigen Motorrädern in Gottes gigantischer Schöpfung ;-)

  • #4

    Michael (Mittwoch, 09 Oktober 2019 21:28)

    ...die Rückkehr der Jedi Ritter.... schön, das ihr den Waldplanet Endor, Heimat der kleinen pelzigen
    Ewogs besucht habt. Mit Eurer kompletten Motorradmontur hätte George Lucas sicher noch zwei
    Statistenrollen frei gehabt.
    Galaktische Grüße

  • #5

    Jayne & Stefan (Donnerstag, 10 Oktober 2019 04:47)

    Schade, dass wir erst spaet von unserer Motorradtour zurueck kamen, Ihr haettet sonst gerne hier fuer ein paar Tage uebernachten koennen. Oregon hat viele schoene Ecken zu bieten, aber um diese Jahreszeit ist es im Westen schn oft regnerisch und es hat Schnee auf den Hoehen.
    Wir wuenschen Euch mehr Wetterglueck auf dem Rest der Reise!
    Gruss aus Forest Grove, Oregon

  • #6

    Helga u. Horst (Donnerstag, 10 Oktober 2019 14:13)

    Abenteuer - Natur pur - viele wouah ´s- Bäume die in den Himmel ragen -
    was will man mehr.
    Jetzt sieht man erst wie klein der Mensch wirklich ist.
    Wir wünschen Euch noch sehr viele wouah ´s
    und warten sehr gespannt auf den nächsten Bericht.
    Inzwischen habt Ihr ja schon eine ganz schöne Strecke zurückgelegt
    Weiterhin eine Gute Fahrt, bleibt gesund und munter.
    Es grüssen Euch von ganzem Herzen O. u. O.