· 

Portland

Über Portland hatten wir vor Jahren einmal eine Dokumentation im Internet gesehen. Darin ging es darum, dass die Stadt im Westen der USA als andersdenkende, alternative und irgendwie als Besonders herausstechende gelten sollte. Damals besiegelten wir den beidseitigen Wunsch, diese Stadt einmal besuchen zu wollen. Dass dieses Vorhaben, etwa drei Jahre später, tatsächlich in die Tat umgesetzt werden sollte, ahnten wir noch nicht, da wir damals noch nicht geplant hatten, unsere Reiseroute durch die USA führen zu lassen. Doch nun war es so weit und wir suchten nach bezahlbaren Unterkünften für uns und die Motorräder.

 

In vielen Städten ist es nicht immer leicht, a) einen bezahlbaren Campingplatz zu finden, b) einen Campingplatz zu finden, der Zelte erlaubt (offensichtlich nicht selbstverständlich in den USA) und c) – Bedingung für die Platzwahl – einen sicheren Stellplatz für die Motorräder zu organisieren. Leider schied in der Vergangenheit immer wieder einmal ein Platz wegen des zuletzt genannten Kriteriums aus, denn wir lassen die Motorräder wirklich nur dann unbeaufsichtigt stehen, wenn sich BEIDE sicher damit fühlen (wir beide, nicht die Motorräder...). Aus diesem Grund suchten wir uns in Portland über eine bekannte Plattform eine Privatunterkunft. Wir fanden eine hippe Art von Kommune, die im großen Garten ihrer Haus-WG ein Glamping-Zelt vermietete. Da der Informationstext der Vermieter darauf schließen ließ, dass wir es hier mit jungen, weltoffenen und kreativen Menschen zu tun haben würden, fragten wir an, ob wir auch in unserem eigenen Zelt (weil triefend nass, d.h. wir müssten es ohnehin zum Trocknen aufbauen) campieren dürften. Wie erhielten eine sehr nette Antwort, dass das kein Problem sei und auch der Preis hierfür kam uns sehr gelegen.

 

Um euch die lange Hinleitung zu ersparen und mehr Zeit noch den Erzählungen aus Portland zu widmen: Die Vermieter waren tatsächlich sehr freundlich und hilfsbereit, nur leider meistens nicht präsent. Stattdessen ging im Haus bzw. im Garten eine beträchtliche Menge an unterschiedlichsten Menschen aus und ein, in deren Umgangsformen alles vertreten war: Von „freundlich grüßend“ über „ignorant“, „verachtend“ und „desinteressiert“ war alles dabei. Wir waren verwirrt, ließ doch der Text auf der Internetseite ein ganz anderes Auftreten erwarten. Als es wie aus Eimern schüttete, setzten wir uns auf die Veranda, kochten und aßen dort. Wir versuchten, so umgänglich und freundlich wie möglich zu wirken, wurden aber das Gefühl nicht los, zu stören und als Eindringlinge zu wirken. Sehr unangenehm für uns und leider auch etwas beeinträchtigend, weil wir beide doch grundsätzlich sehr an Harmonie interessiert sind. Aber nun gut, wir sind ja nicht in der Stadt, um soziologische Studien zu führen, sondern um sie uns anzusehen! 

Daher fuhren wir an beiden Tagen, die wir dort waren, mit dem Bus in die Stadt. Recht schnell fanden wir heraus, dass es in amerikanischen Städten keine (nicht wie in deutschen Städten üblich) für uns interessante Viertel gibt, sondern dass es einzelne Straßenzüge oder -ecken sind, die für uns von Interesse sein könnten. Also stiegen wir auf gut Glück aus und stromerten durch die Straßen. Wir fanden schöne Cafés, sogar einen Barfußschuhladen, tolle Buchläden und hatten einfach das Gefühl, viel Schönes zu entdecken, beispielsweise auch die vielen zufällig entdeckten Wandmalereien und Verkünstelungen, die wir euch in diesem Beitrag zeigen möchten. Für eine amerikanische Stadt waren doch auch auffällig viele Fahrradfahrer unterwegs und immer wieder begegneten einem die sogenannten „Food Carts“, kleine Imbisswägen, die oft kunstvoll verziert unterschiedlichste Speisekarten zu bieten hatten.

 

Nicht vorenthalten möchten wir euch allerdings auch, dass es in Portland eine sehr düstere Seite gibt, die wir zwar geahnt, aber mit der wir nicht an jeder Straßenecke gerechnet hatten. Es wäre töricht, in einer solchen Stadt weder Drogen, noch Verfall, noch Verzweiflung zu erwarten. Schon in Vancouver hatten wir gesehen, wie nahe die schöne, oberflächliche und glitzernde Welt des Konsums und völlig zerstörte und leblos wirkende Menschen beieinander sein können. Auch hier war es so, dass das unachtsame Abbiegen in die „falsche“ Straße uns in eine glanzlos wirkende Straße führte, bei der einem die Kälte ab dem Moment, in dem man merkt, wo man gelandet ist, in die Adern kriecht. Ein Straßenzug weiter endete der Spuk abrupt und das quirlige Sein von sich unbeschwert unterhaltenen Menschen setzte wieder ein. Das gibt zu denken und wir haben uns die folgenden Tage und auch noch jetzt immer wieder darüber unterhalten, wie anders die Menschen auf den Straßen der US-amerikanischen Städte zu denen in beispielsweise deutschen Städten wirken. Darüber zu urteilen liegt uns absolut fern, aber es wäre vermessen, euch nur die schillernden Seiten einer Weltreise zu zeigen, sind wir doch alle Menschen dieser Welt und nicht immer haben wir es in der Hand darüber zu entscheiden, ob wir das Leben von der hellen, unbeschwerten oder eher von der Seite ohne Ausweg erleben dürfen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Uwe aus Gö (Donnerstag, 03 Oktober 2019 11:05)

    Danke für euren ehrlichen Bericht-
    Licht und Schatten liegen doch häufig sehr dicht beieinander und Leute ticken oft anders als erwartet.
    ..... kommt gut weiter.

  • #2

    Helga u. Horst (Donnerstag, 03 Oktober 2019 18:43)

    Lukas gesichtsausdruck spricht Bände - Amerika tickt anders.
    Wir hoffen, euch bald wieder fröhlich lachend zu sehen.
    jedes Ding hat 2 Seiten und sicher lernt Ihr auch noch die
    andere Seite kennen.
    Weiterhin alles Gute u. eine gute Fahrt.
    Grüsse aus der Heimat O. u. O.

  • #3

    Michael (Donnerstag, 03 Oktober 2019 19:21)

    ....seit Vancouver sind dicke schwarze Wolken aufgezogen. Fahrt in den Süden, bei Sonnenschein wird die
    Stimmung auch wieder besser.
    Der Lupo hat auch den ersten Herbststurm in der Scheune 'überlebt' Es sind also keine Dachziegel
    runtergefallen, ist doch auch ein Grund zur Freude.

  • #4

    Rosie (Samstag, 05 Oktober 2019 07:48)

    Als Kunstinteressierte gefällt mir Eure Fotostrecke aus PORTLAND besonders gut ! Ich liebe Mauern und Hauswände, die kunstvoll bemalt und schön gestaltet sind , ein wahrer Hingucker !

    Gute Fahrt weiterhin , bin gespannt, wie es weiter geht ! Eins steht für mich fest: da, wo Ihr hinkommt, bringt Ihr die Sonne mit, die habt Ihr im Herzen. Weiter so !

    Herzlichst

    Rosie