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USA Nordwesten

Der Grenzübertritt, vor dem wir doch etwas Bammel hatten, stand jüngst bevor. Es ging um die Einreise zweier doch recht beladener Motorradfahrer mit zwei in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen in die USA. Über den Grenzübertritt und die dort arbeitenden Beamten hatten wir schon einiges, vermutlich eher sogar zu viel, gelesen, sodass sich doch eine gewisse Furcht bei uns aufbaute: Was werden sie uns fragen? Werden sie uns getrennt befragen? Müssen wir alles auspacken? Stöbern sie in unseren Sachen herum und analysieren jeden einzelnen Gegenstand? Und endlos so weiter.

 

Nachdem uns der Wettergott auf Vancouver Island so gar nicht wohlgesinnt war, stand der sich ankündigende Grenzübertritt schneller vor der Tür, als wir es verarbeiten hätten können. Wir hatten zu Beginn auf Vancouver Island ordentlich eingekauft, um ein paar Tage quasi autark leben zu können. Doch diese Mengen an vor allem frischen Lebensmitteln wurden nun zum Problem, lasen wir doch im Internet, dass Frisches nicht über die Grenze mitgenommen werden dürfe. So ein Mist. Also stopften wir so viel Mango, Käse, Joghurt und Cream Cheese in uns hinein, wie es gerade noch verträglich war und machten uns mit zwei Pausenbrotboxen voller belegter Brote auf nach Victoria.

 

Dass der Tag schon mit strömendem Regen begonnen hatte, ließ die allgemeine Stimmung im Camp Straymotocats eher gedämpft. Zwar organisierten wir als perfektes Packteam alles schnell und unabgesprochen zügig an die richtigen Stellen, aber sonderlich viel Freude kommt früh am Morgen bei unter 10 Grad und bei Starkregen eher nicht auf. Im Laufe der Fahrt vom Campingplatz nach Victoria zur Fähre besserte sich das Wetter nicht – eher im Gegenteil. Heute war einer dieser Tage, bei dem man froh ist, wenn er vorbei sein wird... Dass uns der Grenzübertritt noch bevor stand, machte das Ganze auch nicht besser. Aber gut, solche Tage gibt es auch und als Team, das war uns an diesem Tag absolut klar, würden wir das Kind schon schaukeln.

 

Da wir an der Grenze kein zuvor beantragtes Esta vorweisen konnten führte dazu, dass wir pro Person je ein Formular ausfüllen mussten, das in etwa die gleichen Fragen stellte wie das digitale Pendant vor der Einreise nach Kanada. Frühere Internetrecherchen hatten ergeben, dass es bei der Einreise auf dem Landweg völlig reiche, das Esta an der Grenze auszufüllen. Da durch den öffentlichen Aufruf alle, aber auch wirklich ALLE mitbekommen hatten, dass die zwei mit den leuchtend gelben Regenjacken (also besonders gut zu begutachten) kein Esta haben, zogen wir die Blicke aller Anwesender auf uns. Stumm wurden wir begafft und hatten einen ersten Vorgeschmack, wie es wohl sein muss, durch Indien zu reisen. Als uns beim erneuten Aufruf ein Mann viel Glück wünschte, lachten alle laut auf und wir fühlten uns nochmals mehr wie im falschen Film.

 

Der tatsächliche Übertritt über die Grenze lief dann erstaunlich ereignislos ab: Wir wurden auf das Schiff gewinkt, bekamen einen Platz eingewiesen und selbst nach der neunzigminütigen Fahrt von Kanada in die USA nahm uns niemand auseinander und da waren wir: in den Vereinigen Staaten von Amerika. Komisch, wie schnell das alles ging.

 

Wir plünderten den nächsten Supermarkt und überlegten hin und her, ob wir uns ein Zimmer nehmen sollten. Weil unser Ankunftsort aber nicht sonderlich vertrauenserweckend wirkte, verwarfen wir das Zimmer und suchten einen Campingplatz, der sich als einer der schönsten herausstellen sollte. Und so fanden wir heraus, wie nah doch der schlimmste und der schönste Tag auf der Reise beieinanderliegen können. So kann es gehen!

 

Nachdem wir uns auf dem unerwartet schönen Campingplatz mit Koch-/Wasch-/Chillhüttchen erholt hatten, zogen wir weiter nach Portland. Portland haftet der Ruf an, eine für amerikanische Verhältnisse besonders hippe, alternative und einfach andersartige Stadt zu sein. Das klingt doch nach uns, meint ihr nicht?! :D

 

So suchten wir uns eine von Privatleuten vermietete Unterkunft, fanden ein Glamping-Zelt, das im Garten bei einer Art WG aufgestellt war und fragten an, ob wir auch in unserem eigenen Zelt zelten dürften (Erinnerung: in Starkregen eingepackt, deshalb hätten wir es so oder so noch einmal aufbauen müssen). Bei etwas finanziellem Entgegenkommen durften wir das und wir konnten es kaum erwarten, endlich in der verlockend wirkenden Stadt anzukommen.

 

Auf dem Weg nach Portland fuhren wir noch einige Zeit durch einen Küstenregenwald, der dem Begriff „Regenwald“ alle Ehre machte; niemals hätten wir damit gerechnet, dass es in den nördlichen Breiten tatsächlich einen Regenwald geben würde und noch viel weniger hatten wir die wilde Schönheit des unberührt wirkenden Waldes mit mächtigen, in Moos gehüllten Bäumen erwartet. Der Wald strahlte einen Zauber aus, wie ihn Filmemacher sonst nur mit vielen Special Effects hinzubekommen scheinen. Wir sind froh, uns für den Küsten-Highway entschieden zu haben, trotz der Gefahr, noch nasser zu werden. Aber wir hatten Glück!

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Kommentare: 5
  • #1

    Rosie & Jochen (Sonntag, 29 September 2019 11:07)

    Ihr seid zwei taffe Typen, ein tolles Team und dynamisch, gelenkig schön und klug, kreativ und meistert Eure Imponderabilien des Reisealltags mit Bravur. Wir danken dem lieben Gott, Euch auf Eurer Reise begleiten zu dürfen und wünschen Euch noch viele schöne und tiefgreifende Erlebnisse auf Eurer Reise durch die USA.

    Danke für den anschaulichen Reisebericht mit den wundervollen Fotos .

    Es grüßen Euch, liebe Stefanie & lieber Lukas

    herzlichst

    Rosie & Jochen

  • #2

    Helga u. Horst (Sonntag, 29 September 2019)

    gibts was es Neues ( nein, nicht aus Uhlenbusch - eine Kindersendung aus den 70igern )
    sondern von Stefanie und Lukas, das ist am Morgen immer die erste Frage. Eure Berichte sind so
    unterhaltsam und spannend. Nur schade, daß das Wetter nicht immer mitspielt.
    Die Entschädigung sind die Erlebnisse und die grandiose Landschaft und die Menschen die Ihr kennen lernt.
    Aber nach Regen kommt auch wieder Sonnenschein und den wünschen wir euch von ganzem Herzen. Weiterhin gute Fahrt wünschen Euch O. u. O.


  • #3

    Gisela (Sonntag, 29 September 2019 17:46)

    Hallo ihr zwei Hübschen, wie ich sehe, geht es euch bestens. WIr wünschen euch weiterhin alles erdenklich Gute und macht weiter so. Es sieht gut aus, wie ihr euch durchschlagt. Der Ernst hat neuerdings Bärenträume, aufgrund eures Berichts. Nachts schreckt er auf mit wildem Gebrüll. Wir wünschen euch weiterhin alles Gute und sind neugierig auf weitere Berichte, die wir immer gerne lesen. ALso denn, macht es gut, Gisi und Emil

  • #4

    Aisch (Montag, 30 September 2019 19:22)

    Hi ihr Lieben,
    wie die Zeit vergeht, nun seid ihr schon in den USA! Bin schon ganz neugierig darauf was ihr da so erleben werdet!

    Fette Schmatzer aus Verden;)

    PS: Euer Blog ist so schön geschrieben! Tolle Fotos!!!

  • #5

    Uwe aus Gö (Montag, 30 September 2019 20:22)

    .... das klingt doch wieder mal nach Abenteuer ;-)
    Herzlichen Glückwunsch - nun seid Ihr schon in den USA � macht's weiterhin gut :-)

    PS: Ich hab jetzt den Film "Anderswo- Allein in Afrika" da, den schauen wir uns die nächsten Tage mal an�