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Ankunft am Pazifik

Kalt und nass. – Wenn man an den Herbst denkt, fallen einem spontan wohl als erstes diese beiden Begriffe ein. Und genau das waren die letzten Tage – kalt und nass.

 

Nachdem wir Canmore verlassen hatten, wurde der Regen unser täglicher Begleiter, aber immerhin bei Plusgraden und ohne Schnee. Wir fassten den Entschluss, auf weitere Nationalparkabstecher zu verzichten und stattdessen schnellstmöglich und auf direktem Wege nach Vancouver zu fahren. Als kleine Motivation buchten wir uns ein günstiges Zimmer (mit Katzen!!!), um von dort aus die Stadt zu erkunden.

Vancouver gilt als eine der schönsten Städte der Welt, aber auch das sollte für uns kein Grund zur Eile sein. Einfach zu gemütlich war es, wieder einmal ein Dach über dem Kopf zu haben und bis mittags ausschlafen zu können. Somit wurde aus dem Stadttag eher ein Stadtnachmittag. Anders als andere kanadische Großstädte ohne nennenswerte Nahverkehrsnetze verfügt Vancouver über ein Stadtbahnnetz und so landeten wir in kurzer Zeit mittendrin in Downtown. Hochhäuser und Straßen im Schachbrettmuster soweit das Auge reicht. Empfohlen wurde uns immer wieder das Viertel Gastown, nur wenige Gehminuten entfernt vom Stadtzentrum. Häuser aus der Gründerzeit im 19. Jahrhundert und jede Menge Souvenirläden prägen hier das Bild der Straßen. Einen Häuserblock weiter änderte sich das schlagartig: Die Gehwege waren auf einmal voll mit Menschen. Nicht wie in den anderen Straßen Touristen oder Geschäftsleute, sondern heftig von Drogen und sozialem Abstieg gekennzeichnete Menschen. Hunderte Menschen, die sich auf offener Straße einen Schuss setzen; Müll und Spritzen auf dem Boden und eine unfassbare Menge an entsetzlich leeren Gesichtern.

 

Wir hatten von der berüchtigten Downtown Eastside gehört, doch das, was wir hier sahen übertraf alles, was wir uns vorstellen konnten oder auch nur ansatzweise aus irgendwelchen furchteinflösenden Filmsequenzen kannten. In einem reichen Land, noch dazu mit sehr gutem Sozialsystem, hatten wir diesen Anblick nicht erwartet. Wie auch in vielen deutschen Städten führen auch in Vancouver Wohnungsknappheit und Immobilienspekulation dazu, dass sich viele Menschen keine Wohnung mehr leisten können und somit auf der Straße landen.

 

Wie bereits erwähnt, ist das nur unser subjektiver Eindruck dieser Stadt und nach nur wenigen Stunden in dieser Metropole steht es uns auch sicherlich nicht zu, über sie zu urteilen. Viele wirklich schöne Ecken haben wir sicher schlichtweg übersehen und wer weiß, vielleicht kommen wir ja irgendwann wieder und lernen die Stadt richtig kennen.

 

Ursprünglich wollten wir von Vancouver aus nach Seattle weiterfahren. Von Seattle, der Stadt, die vor dreißig Jahren mit Pearl Jam, Nirvana und Co. ein komplett neues Musikgenre schuf, wurde uns aber aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der dichten Besiedelung mehrfach abgeraten und stattdessen immer wieder auf die Schönheit von Vancouver Island hingewiesen. Und da wir ja wie immer ohne Reiseführer unterwegs sind, vertrauten wir auch hier auf die Tipps der Menschen, die wir unterwegs trafen.

 

Schnell noch ein Fernglas gekauft und schon standen wir auf der Fähre nach Vancouver Island:

 

Kaum angekommen holte uns aber auch schon wieder das Wetter ein. Regen bis zum Abwinken und keine Besserung in Sicht. Hier waren wir wieder einmal sehr froh, doch etwas Platz im Gepäck für unser Tarp und die dazugehörigen Tarpstangen belassen zu haben. So konnten wir uns ein trockenes Plätzchen vor dem Zelt aufbauen, wo wir kochen, essen und auf das Meer schauen konnten. Hier sahen einige Male miteinander spielende (kämpfende?) Seehunde, die wir mit Lukas' neuem Fernglas genauer betrachten konnten. Doch auch der schönste und trockenste Platz wird irgendwann dröge, wenn sich das Wetter auch nach mehreren Tagen so gar nicht bessern möchte.

 

 

Nach einem mehrstündigen Krisengipfel bei unserem Freund und Helfer, T. Törtchen, bei Kaffee und WLAN, beschlossen wir die Insel Insel sein zu lassen und uns schnellstmöglich auf den Weg in Richtung Süden, in Richtung USA, zu machen. Diversen Informationen zufolge darf man keine frischen Lebensmittel über die Grenze transportieren; blöd, wenn man gerade erst für eine Inselerkundungstour eingekauft hat. Wir versuchten, so viel Frisches wie möglich irgendwie zu verzehren und nur das Nötigste in die USA mitzunehmen. - Als zu furchtbar hätten wir es empfunden, alles an der Grenze wegwerfen zu müssen.

 

Und nun kommt auch schon der Cliff Hanger zum Ende dieses Beitrags: Fortsetzung folgt! Wie uns der Grenzübertritt gelungen ist, was uns überhaupt auf dem Weg dorthin noch alles passiert ist und was danach kam, erfahrt ihr nach (- Nein, nicht der Werbung, sondern:) ein paar Tagen, nachdem dieser Beitrag online gestellt wurde. :)

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Kommentare: 5
  • #1

    Christiane (Mittwoch, 25 September 2019 18:04)

    ...meine Güte....wie spannend. Tut mir total leid mit dem Schieetwetter. Ich wünsche euch ganz schnell ganz viel besseres Wetter!

  • #2

    Rosie (Mittwoch, 25 September 2019 21:56)

    Class report according to the motto " WHERE LIGHT IS IS ALSO SHADOW". Me interested , in what music you hear on the travel . I know, dear Lucas , are NIRVANA-Fan , and you , dear Stephanie?

    Sincerely

    Rosie �

  • #3

    Stefanie (Samstag, 28 September 2019 05:05)

    Dear Rosie,

    nive to meet you digitally. :)
    My favourite band EVER is Led Zeppelin, but I enjoy listening generally to rock music from the 70ies. What kind of music do you prefer?

    Love, Stefanie

  • #4

    Rosie (Samstag, 28 September 2019 07:26)

    Dear Stefanie,

    Thank you so much ! Your motorcycling with music by Led Zeppelin in your ear must be a great feeling ! I'm RAMMSTEIN-Fan : AMERIKA /ENGEL SONNE/PUPPE .

    Love , Rosie

  • #5

    Michael (Samstag, 28 September 2019 09:54)

    ......guten Morgen..... Da gratuliere ich zum erreichen der Pazifikküste, hat ja noch keiner gemacht;-).....
    Es war spannend zu lesen wie sich die Landschaft verändert und welche Leute Ihr kennengelernt.
    Dank WWW kann jeder die Reise mitverfolgen ,ohne so wie ich über ein riesiges Archiv von Reiseführern
    und Reisebüchern zu verfügen
    Das Kanada-Kapitel wird zugeschlagen und ein neues aufgemacht.
    Vor genau 50 Jahren erschien das letzte Album der BEATLES, ABBEY ROAD mit dem berümtesten
    Zebrastreifen der Welt auf dem Cover.... .....und was hat das mit dieser Reise zu tun ?
    Absolut nichts,, aber darauf ist das wunderschöne 'Here Comes The Sun' ....
    ......und das wünsche ich Euch