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Be BearWise...

 

Unter der Top Five der Dinge oder Lebewesen, die es in Kanada gibt, werden bestimmt die meisten Menschen an Bären denken. Das ging uns nicht anders. Was es genau mit den doch eigentlich niedlichen Fellnasen auf sich hat, recherchierten wir erstmals, nachdem wir schon in Kanada angekommen waren. Schließlich ist dieses Land nicht unbedingt dafür bekannt, dass blutrünstige Bären einen Touristen nach dem anderen fressen und die Kanadier keinen Fuß vor die Tür setzen, lauert hinter dem nächsten Gebüsch doch garantiert ein menschenfressendes Monster...

 

Auf jeden Fall liest man in den Weiten des Internets doch einiges über Bären mit folgender Bandbreite: Von „harmlos, die tun nichts“ zu „oh Gott, oh Gott“ ist alles vertreten. Einig ist man sich nur dahingehend, dass es Schwarzbären und Braunbären gibt, Schwarzbären aber auch braun, Braunbären durchaus auch schwarz sein können. Die einen sollen gefährlich sein, die anderen hingegen nur verfressen. Essen also am besten im Auto lassen. Au verflixt – welches Auto? Autolosen Reisenden empfiehlt man eine Konstruktion aus Seilen und zwei Karabinern, an welche der Essensrucksack mindestens fünf (Waren es fünf?) Meter über dem Boden soundsoviel Meter vom Zelt und Kochplatz weg... Uiweh!

 

Dass Bären eher verfressen sein sollen, das ergibt sich ja schon aus deren Jahresrhythmus. Einig sind sich wohl alle Quellen darüber, dass Essen nicht im Zelt aufbewahrt werden sollte, möchte man pelzigen Besuch in der Schlafstätte vermeiden. Außerdem riechen Cremes, Zahnpasta etc. wohl auch sehr verlockend für Meister Pelz. Und Lukas würde jetzt sagen: „Wo fängst du da an, wo hörst du auf?“ Stefanie überlegt: Kommt der Bär auch wegen eines Lippenpflegestifts ins Zelt, wenn alles andere draußen ist? Lockt ihn etwa das Bonbon an, das ich irgendwo in meiner Jackentasche verloren habe? Was ist mit der Heilsalbe, die ich nachts auf meine wunde Hand reiben soll? Kommt er auch, wenn die Salbe zwar draußen ist, meine Hand aber so reizvoll riecht, dass er sie am liebsten ablecken will?

 

Man weiß es einfach nicht. Die Leute, die wir befragt haben, antworten entweder mit allgemein gültigen Aussagen, die wir schon kennen, oder reagieren locker á la „Lasst euer Essen draußen, dann passiert nichts.“ Wenn man dann aber des Nachts im Zelt liegt und draußen ein Ästchen knackt und gegebenenfalls noch die Blase drückt, kann einem schon anders werden.

 

Der erste Bär, dem wir tatsächlich eher unerwartet begegnet sind, floh in Windeseile in die Büsche, sodass wir nur sein Hinterteil gesehen haben. Das war auf einer Strecke bei Atikokan, die auf der Karte als kleine Teerstraße ausgewiesen war, sich aber letztendlich als steiniger Trail durch ein Minengebiet mit „Trespassing on your own risk“ herausstellte. Der Weg war an manchen Stellen echt nicht ohne, mit viel losem Geröll, Untiefen und Wellblech. Das heißt, eine schnelle Flucht aus dem Bärengebiet (zumal es ein eher kleineres Exemplar mit eventuell aggressiver Mutter, weil Beschützerinstinkt) war nicht möglich. Wir entschlossen uns, beide laut hupend weiterzufahren, bloß nicht anzuhalten und die Geschwindigkeit nicht zu verringern.

 

Bär Nummer 2 entdeckten wir ebenfalls unerwartet auf dem Trans Canadian Highway in einer Parkbucht mit bärensicherem Mülleimer. Als wir vorbeifuhren, guckte er nur irritiert auf, latschte aber unbeeindruckt seines Weges. Nichts in seinem Auftreten ließ auf Scheu oder Angst schließen, weil er vermutlich auf einen kleinen Snack im Mülleimer gehofft hatte.

Wirklich beängstigend war aber für uns ein Erlebnis zwischen Bär Nummer 1 und Bär Nummer 2. In Dryden ließen wir uns auf der Tent Side eines netten kleinen Campingplatzes nieder, den ein schweizstämmiges Ehepaar sehr liebevoll gestaltet hatte. Weil das Wetter nicht so besonders war, verbrachten wir den Abend im Waschhäuschen, nutzten es als solches und wuschen unsere Kleider, kochten und aßen dort und luden unsere elektrischen Geräte. Als wir gegen Mitternacht auf dem Weg zu unserem Zelt am anderen Ende des Geländes (sehr einsam, sehr dunkel, kein Mensch weit und breit) waren – stellt euch nun Thriller-Musik vor! - eine umgeworfene Mülltonne, ein 200 l-Fass! Der Inhalt ca. fünf Meter auf dem Boden ausgebreitet, zerbissen, die Tonne mehrere Meter vom ursprünglichen Standort entfernt. Unfassbarer Gestank. Da rutscht einem das Herz doch gleich mal schlagartig in die Hose, ohne Witz! Wir begannen sofort, uns sehr laut und ausdauernd zu unterhalten, um einen eventuell in der Nähe verweilenden Bären in die Flucht zu schlagen. Weitere Recherchen ergaben, dass eine weitere Mülltonne weiter vorne ebenfalls umgestürzt, durchsucht und der Inhalt geöffnet und gefressen worden war. (Das Herz rutschte weiter runter bis zu den Kniekehlen...) Letzten Endes informierten wir den Betreiber des Campingplatzes, der uns zu verstehen gab, dass das doch nicht so normal für diese Gegend sei und er fuhr den Platz mehrere Male ab und sah „nach dem Rechten“. Unser Zelt zog daraufhin in Windeseile vom einsamen Platz weg und wurde weiter vorne beim Bürohäuschen und in der Nähe der Straße wieder abgestellt, wo wir das Gefühl hatten, sicher schlafen zu können. Uff.

 

Außer einem leider toten Bären im Straßengraben hatten wir bislang keine weiteren Sichtungen, sind aber sicher, dass diese bald noch kommen werden – spätestens in British Columbia und den National Parks, wo sich viele Touristen herumtreiben, die sich mehr oder weniger „bearwise“ verhalten. Wir halten euch auf dem Laufenden. :)

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Kommentare: 5
  • #1

    Rosie und Jochen (Mittwoch, 04 September 2019 05:40)

    Bärenstarke Geschichte�, God bless You �!

  • #2

    Helg u. Horst (Mittwoch, 04 September 2019 08:36)

    Na, Ihr bärenstarke Typen! Jetzt seid ihr mitten drin im " Abenteuer Kanada"
    Weiterhin gute Fahrt, haltet Augen u. Ohren offen, wer weiss ???
    LG O u.O

  • #3

    Christiane (Mittwoch, 04 September 2019 09:08)

    Wow, das ist ja mal sehr spannend. Extreme Tierliebe hin oder her, aber in diesen Momenten wäre mir das Herz wohl auch in die Hose gerutscht. Ich frage mich ob ich des nächtens überhaupt zur Ruhe kommen könnte oder bei jedem kleinsten Geräusch in der Senkrechten wäre. Ihr braucht wirklich Weisheit und Schutz vor Meister Petz. Ich wünsche euch Begnungen auf Abstand mit diesen tollen Tieren und auch anderen dort lebenden Geschöpfen. Seid herzlichst gegrüsst ihr beiden Abenteurer.

  • #4

    Michael (Mittwoch, 04 September 2019 21:14)

    Hello Winnipeg...... ich will Euch ja keinen Bären aufbinden, aber ich war vor einiger Zeit mit meinem PFERD in den Rocky
    Mountains unterwegs. Die Nacht brach an und ich suchte mir auf einer Lichtung das Camp für die Nacht. Für mein Pferd
    hatte ich noch einen Apfel in der Satteltasche, aber ich brauchte auch noch etwas zu beißen. Um Kräuter oder BEEREN zu
    suchen ging ich in das nahegelegene Dickicht----- oh Schreck, auf einmal machte sich ein riesiger Bär vor mir auf.........
    ......im Reflex zog ich meinen Revolver und schoss.... Nein nicht was ihr deckt, ich verschone auch einen virtuellen Bären.
    Ich schoss also in die Luft und der Bär verschwand auf nimmer Wiedersehen. Auf dem Weg zum Lagerplatz sammelte
    ich noch etwas Gingseng (das es wirklich in Kanada gibt). Schnell packte ich meine Sachen und ritt durch den finsteren
    Wald Richtung Sonnenaufgang..... ach ja, ein paar Wapiti`s kreuzten noch meine Weg.

    Wahnsinn wie real die aktuellen Open Word Games heutzutage sind...
    ......aber natürlich nichts im Vergleich zu Euren realen Erlebnissen mit Meister Petz.... großen Respekt ...
    Es gibt Erlebnisse auf Reisen, die vergißt man nie... und das ist eine Geschichte davon :-)






  • #5

    Garnet (Dienstag, 10 September 2019 04:24)

    Hello Lucas and Stephanie,
    I’m the fellow you met in Drumheller. Your blog looks terrific. We hope to see you in our town and home in Canmore later in the week. If you send me an email, we can communicate easier. I will give you precise directions to our home. Maybe you will even want to spend more than one night at our home. We could do a ride with you and show you many Interesting sites in our area. Best to you as you visit Alberta on your amazing trek.