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Welcome to the Wilderness!

 

Hinter Ottawa hört die Welt auf! So lautete jedenfalls beim Studieren der Kanadakarte unsere Vermutung. Und tatsächlich dünnte die Besiedelung hinter der Haupstadt deutlich aus. Wir sind in Bezug auf Treibstoff für Mensch und Maschine durchgehend sehr gut aufgestellt und haben uns immer rechtzeitig eingedeckt, um die Entscheidung für den abendlichen Lagerplatz nicht abhängig von Tankstellen oder Supermärkten machen zu müssen. Dass wir jedoch so schnell einen Wechsel von Großstadt zur Pampa feststellen mussten, damit hatten wir dann doch nicht gerechnet. Aber nun gut, wir sind ja auch nicht hier, um Städtetrips zu unternehmen.

 

 

In Pembroke lagerten wir für eine Nacht, um dann in West Nipissing an einem See zwei Nächte zu bleiben, wundervolles Wetterleuchten über den nächtlichen See zu erleben und am nächsten Tag darin zu schwimmen. Noch dazu waren wir so gut wie immer alleine dort, herrlich! Da schlägt das straymotocat-Herz gleich höher.

 

Anschließend planten wir, einen Nationalpark aufzusuchen, welchen uns Gillian und Ranjit empfohlen und mit traumhaften Bildern eines Camps direkt am Lake Superior schmackthaft gemacht hatten. Mit großer Vorfreude, welche von beiden Seiten emsig in epischer Breite über die Helmsprecheinrichtung wiederholt wurde, trafen wir am Nationalpark ein. Und: Voll. Ähm – wie? Damit hatten wir nicht gerechnet, war es doch bisher eher leer in Kanada gewesen. Aber gut, wir fuhren verwirrt und enttäuscht weiter – über die bisher schönste Etappe unserer Kanadareise.

Auch der nächste Campingplatz (der ziemlich weit weg war, mussten wir doch erst aus dem Nationalpark herausfahren) verkündete, leider keine Plätze mehr freizuhaben. Na toll. Letztendlich landeten wir in Wawa (heißt echt so), bauten in Windeseile unser Lager auf, gingen schnell zu Bett und standen am nächsten Morgen früh auf, um wieder an den Lake Superior zu gelangen und dort endlich einen Campingplatz zu erhaschen. In Kanadas Nationalparks ist es übrigens im Gegensatz zum Rest des Landes grundsätzlich verboten, wild zu zelten. Jedoch besitzt fast jeder Park einen eigenen Campingplatz. Wild gezeltet haben wir aber bisher noch nicht. Zu verlockend waren die reichlich vorhandenen Campingplätze und zu groß die Sorge, nächtlichen Bärenbesuch zu bekommen...

 

 

Der Platz, an dem wir unser Zelt aufschlagen durften, verdiente allerdings eher ein verhaltenes „Na ja...“, jedoch wollen wir nicht klagen, blieb uns doch beim Blick auf den Lake Superior die Spucke weg. Ohne Diskussion hat er seinen Namen verdient. Mit einer Länge von ca. 600 km und einer Breite von ca. 290 km stellt er das flächenmäßig größte Süßwasserbinnengewässer der Erde dar. Das gegenüberliegende Ufer ist so weit entfernt, dass man es nicht sehen kann und der Wellengang erinnert doch sehr an das offene Meer. Weicher, feiner Sand schmeichelte die Katzenpfoten beim einen oder anderen Spaziergang am Ufer entlang. Das viele Totholz, die rundgeschliffenen Felsen und die Leere hier verliehen dem Platz etwas Märchenhaftes – ebenso die kleine Wanderung durch den, nennen wir ihn, Zauberwald.

 

 

Eine Anekdote zum Nationalpark: Hier geht man nicht auf die Toilette, man FÄHRT. Erst dachten wir (an das Beste im Menschen glaubend), dass es sich wohl um einen Zufall handeln muss, dass immer die gleichen Autos an uns vorbeifuhren und wir sie vor dem Toiletten-Dusch-und-Wasch-Häuschen wiederfanden. Aber nein, es ist wirklich so: Beim sich ankündigenden Bedürfnis, eine Toilette (o.Ä.) aufzusuchen, setzt man sich in den Pick-Up, fährt zum Klo, (fakultativ: lässt das Fahrzeug unbewacht mit laufendem Motor stehen,) und fährt wieder zu seinem Platz zurück. Wir trauten unseren Augen nicht, dachten lange, dass das eine Ausnahme, ein Zufall sein muss, merkten aber schnell, dass das nicht nur einer machte, sondern mehrere. Stefanie beobachtete, wie ein Pick-Up einen Wohnmobil-Fäkalien-Behälter mit Schnur an die Anhängerkupplung hinter sich herzog. Eigentlich ist die ganze Chose doch echt zum Wiehern, irgendwie aber auch echt traurig: Was wollen die im Nationalpark, wenn sie ihn mit unnötigen Abgasen belasten? Geht man nicht dorthin, um der Natur nahe zu sein, sich zu bewegen, zu besinnen, Tiere zu sehen? Hinter unserem Zelt im Wald lag eine Menge Müll und noch ein Stück weiter tobte eine wilde Party mit lauter Musik. Wir waren ziemlich entsetzt und entrüstet, weil wir mit so etwas im Nationalpark wirklich nicht gerechnet hatten. Trotzdem verflog der Unmut über unsere Mitmenschen regelmäßig, wenn wir an den See traten.

 

Es war sehr schön hier, aber nach zwei Tagen folgten wir dem Ruf der Straße nach Westen erneut.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Christiane (Mittwoch, 28 August 2019 21:00)

    ...ich dachte die Kanadier sind nicht so schlimm wie die Amis....wohl weit gefehlt. Danke für euer fleißiges Schreiben....es macht soooon Spaß eure Berichte zu lesen. Alles Liebe, zur Zeit aus Meckpomm.

  • #2

    Christiane (Mittwoch, 28 August 2019 21:01)

    ....noch was vergessen, eure Bilder find ich auch immer sensationell...