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New friends in Ottawa

Irgendwann am Anfang unserer Reise, auf einem unscheinbaren Provinz Campingplatz in Nova Scotia, lernten wir Gillian kennen...

 

Lukas saß wie so oft von fiesen Stechmücken umzingelt auf dem Boden und bereitete einen Salat für das Abendbrot vor. Während er eine Gurke in salatgerechte Stücke zerkleinerte, sprach ihn eine Frau auf die deutschen Kennzeichen an. (Anders als die vielen anderen zuvor, fragte sie jedoch nicht, ob wir den ganzen Weg von Deutschland nach Kanada gefahren seien... Wir berichteten bereits darüber.), sondern wie es uns hier gefällt und was wir vorhaben. Noch weitaus verwunderlicher war es, als sie schließlich vom Englischen in nahezu akzentfreies Deutsch wechselte und sich als Gillian vorstellte.

 

Gillian und ihr Mann Ranjit leben in Ottawa und waren gerade auf dem Heimweg von Neu Fundland, wo sie ihre dort lebende Tochter besucht hatten. Auf unsere Nachfrage, warum Gillian so gut Deutsch spräche, erklärte sie uns, dass Ranjit und sie einige Zeit in Konstanz gelebt hatten und sie hier in Kanada als Deutschlehrerin arbeitet. Leider blieb unser Gespräch nicht unbemerkt, denn auch eine große Menge blutsaugender Moskitos hatten sich zum Abendessen verabredet und wir stellten für sie scheinbar eine große Delikatesse dar...

 

Was blieb war ein Versprechen: Wenn wir in Ottawa eintreffen, warten ein Bett, eine Dusche und eine Waschmaschine auf uns. Und tatsächlich erhielten wir ein paar Tage später eine Nachricht von Gillian, die ihre Einladung wahr werden ließ und uns zu sich einlud.

 

Was wir in der Zwischenzeit in New Brunswick und Quebéc erlebten haben wir euch ja bereits erzählt, deshab geht es jetzt direkt in Ottawa weiter – doch halt, da war noch was...

 

... Montréal, die Metropole zwischen Quebéc und Ottawa. Die Nacht, bevor wir nach Ottawa fuhren, zelteten wir auf einem schrecklich luxuriösen und nebenbei auch unglaublich teurem RV-Park kurz vor Montral (In Kanda zeltet man eher nicht, sondern hat einen Pick-Up mit Wohnwagen als Sattelaufleger oder gleich ein reisebusgroßes Wohnmobil mit Oberklasse-SUV im Schlepptau. Und genau für die Dinger gibt es die sogenannten RV-Parks. Ihr könnt euch also vorstellen, wie wohl wir uns dort fühlen...). Von dort aus waren es noch ca. 220 km nach Ottawa und den Verkehr in Kanada hatten wir immer als ausgesprochen entspannt empfunden. Womit wir jedoch nicht gerechnet hatten, war der Megastau, der uns bereits 20 km vor den Toren Montréals erwartete. Es ging im Schneckentempo voran. Die Temperaturen unter dem Satteln und unter den Helmen stiegen ins Unermessliche und zu unserer Verwunderung reihten sich die wenigen Motorradfahrer, anders als auf dem Rest der Welt, brav in den Stau ein. Da wir in diesem teuren Land nichts riskieren wollten und unsere eigentlich schlanken Hondas durch die Seitentaschen doch ziemlich in die Breite gehen, blieb uns nichts anderes übrig, als uns dem stundenlangen Stop-and-Go zu ergeben. So schafften wir es in 5 Stunden geschlagene 60 km weit ans andere Ende von Montreal, wo wir dann endlich freie Fahrt nach Ottawa hatten. 

Québec ist hier übrigens zu Ende und Ontario beginnt. Ottawa, genauer gesagt der Ottawa River, stellt die Grenze dar und für uns bedeutet das eins: Wir können uns wieder verständigen! Hier wird, anders als in Québec, überwiegend Englisch gesprochen.

 

Als wir nach diesem strapaziösen Fahrtag endlich bei Gillian und ihrem Mann Ranjit (viel, viel später als verabredet) eintrafen, waren wir fix und alle. Wir schleppten unsere sieben Sachen in ein sehr gemütliches Zimmer (in welchem ein noch viel gemütlicheres Bett auf uns wartete) und wurden sofort wie alte Freunde begrüßt, aufgenommen und mit einem leckeren Gericht (dessen Namen wir leider vergessen haben, aber vielleicht verrät uns Gillian in einem Kommentar, wie es heißt ;-) gefüttert und mit dazu passenden Getränken verwöhnt. Auch der große schwarze Hund Zephyr freute sich über die beiden Gäste, verwöhnten sie ihn doch mit zusätzlichen Streicheleinheiten.

In den kommenden beiden Tagen erledigten wir, was der Weltreisende so zu erledigen hat: Er schläft aus, frühstückt gut, wäscht Wäsche, sortiert und organisiert seine Taschen... Und er kauft ein, wovon er weiß, dass es noch mangelt: Wir reden hier von Regenjacken. Zwar haben wir unsere neongelben Motorradregenjacken dabei, aber so wirklich wohl fühlen wir uns im Textmarkerstyle in Übergröße dann doch nicht. Ihr könnt ja mal darauf achten, ob euch in Bezug auf die Kleidung bei uns etwas auffällt, dann werdet ihr den Unterschied schon bemerken und die neuen Jacken erkennen. ;-) Wir freuten uns besonders darüber, dass unsere beiden Gastgeber über vier Fahrräder verfügten, denn so konnten wir eine gemeinsame Radtour in die Stadt unternehmen (sie wohnen etwas außerhalb) und es uns zusammen dort gutgehen lassen.

 

Ottawa gefiel uns ausgesprochen gut und wir freuen uns, zweieinhalb Tage bei so netten Menschen gewesen zu sein. Vielen Dank noch einmal Gillian und Ranjit! Vielleicht können wir ja eines Tages euch bei uns beherbergen?!

Mit neuer Kraft und gut erholt durch das komfortable Wolkenbett starteten wir am dritten Tag und ließen sehr, sehr schnell die Stadt und (gefühlt) allgemein die Zivilisation hinter uns. Auf geht’s in mehreren Etappen nach Thunder Bay, eine Kleinstadt am Lake Superior, welche für uns die ungefähre Hälfte der Strecke durch Kanada darstellt.

 

PS: Am Tag nach der Ankunft zogen Gillian und Ranjit alleine los, um Freunde zu besuchen. Als wir nach unserem Jackeneinkauf die Haustür aufschlossen, stürmte uns ein freudiger und aufgeregter Zephyr entgegen, bemerkte, dass es ja nur wir waren und zog sich schweigend zurück. Durch keine Kraulerei der Welt konnte man ihm die schmerzhafte Abwesenheit seiner Lieblingsmenschen versüßen und selbst die letzte Möglichkeit, die Darbietung einer Möhre (hatten wir am Vortag amüsiert mitbekommen) ließ ihn unbeeindruckt. Er ließ sie fallen, fraß sie nicht und blickte betrübt in den Raum. Stunden später kamen Gillian und Ranjit zurück und was tat Zephyr? - Er begrüßte sie mit freudigem Gebell, holte seine Möhre und verspeiste sie mit einem Haps. Tja, Liebe geht einfach doch durch den Magen.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Helga und Horst (Dienstag, 27 August 2019 07:39)

    Ihr seid immer wieder zu beneiden.

  • #2

    Uwe aus Gö (Dienstag, 27 August 2019 21:01)

    ... super euch mal wieder auf FAHRRÄDERN zu sehen - wohlverdiente Verwöhnunterkunft nach der strapaziösen Anfahrt. Hätte ich ja nicht gedacht- Kanada ist in meiner Phantasie völlig staufrei- " Bären, Wälder , Seen"- ich weiß naiv ;-)
    ... Lukas, tröste dich - die Moskitos lieben mich ebenso ;-)
    Lg

  • #3

    Christiane (Dienstag, 27 August 2019 21:20)

    ...tolle Fotos, tolle Erlebnisse, toller Bericht. Ich freu mich für euch, dass ihr so liebe Leute kennengelernt habt. Gastfreundschaft ist eine wunderbare Gabe die man ja nicht überall findet. Seid weiterhin beschützt unterwegs und erlebt weitere Abenteuer und Begegnungen mit freundlichen Menschen.

  • #4

    Anna (Dienstag, 03 September 2019 09:11)

    Ich war auf meiner Reise auch zwei Monate in Ottawa bei meiner Au Pair Familie ;) Habt ihr die Beaver Tails probiert? :D man sieht auf dem einen Foto den Stand im Hintergrund! Die waren soooo lecker ;)
    Ganz ganz toller Blog! Bekomme richtige Reiselust :)