You drove all the way from Germany to Canada?!?

... Das ist die Frage, die uns immer wieder der eine oder andere verwirrte Kanadier stellt, wenn wir auf unsere deutschen Kennzeichen angesprochen werden. Dass die Hondas nicht über den atlantischen Meeresgrund hergefahren, sondern bequem verschifft worden sind und sich erst seit Halifax wieder auf eigenen Reifen fortbewegen, eröffnet dann die nächste Frage: "Where do you wanna go?" Insgesamt hat sich bisher immer wieder gezeigt, wie offenherzig, freundlich und interessiert die Kanadier sind. Gerne bleiben sie bei uns für ein Schwätzchen stehen und auch Einladungen haben wir schon erhalten. Dazu mehr, sobald es so weit ist. :)

In Amherst Shore fanden wir einen netten (kleinen, wie wir dachten - von wegen!) Campingplatz, an dem wir gleich zwei Tage blieben. Trotz fahrzeugbedingtem Minimalismus sind wir doch immer wieder erstaunt, mit welcher Materialflut wir zu tun haben, sobald wir angekommen sind (siehe Bild). Dennoch haben wir festgestellt, dass wir bisher so gut wie alle Ausrüstungsgegenstände verwendet haben und sie somit ihre Berechtigng verdienen. Selbst die stichsicheren Hemden, die einem das Flair eines Wüstenforschers verleihen, fanden hier erstmals gegen die gefräßigen Monstermücken ihren Einsatz, die es nie unversucht ließen, sich an uns zu laben.

Trotz zunehmend trübem Wetter vertrieben wir uns hier ganz hervorragend die Zeit und hatten immer jede Menge an Grundsätzlichem zu tun, das eine Reise vom Alltagsleben unterscheidet: Wo kann ich einkaufen? Wo lagere ich die Einkäufe? Wo kann ich duschen, waschen, was koche ich? Wo spüle ich das Geschirr? Ob ihr es glaubt oder nicht - das ist ganz schön anstrengend. Der Komfort zu Hause ist doch etwas ganz Besonderes. Aber wie es doch immer ist: Man lernt erst, etwas zu schätzen, sobald man es nicht mehr hat. Und für diese Reise mal eine Weile aus den Welten des Komforts auszusteigen, das machen wir gerne. Es tut so gut, mal das eigene Leben das der Distanz zu sehen und sich an den einfachen Dingen des Lebens zu freuen: ein warmes Essen, eine warme Dusche, ein frisches T-Shirt, endlich mal wieder abends im Bett lesen. Dazu sind wir bisher tatsächlich kaum gekommen. Aber gut. Wir haben ja Zeit.

Nachdem wir Amherst Shore (wo die ersten drei Bilder aufgenommen wurden) verlassen hatten, fuhren wir die Küste in Richtung Norden hinauf und kamen allerdings nicht so weit, wie wir eigentlich wollten. Irgendwie war heute (09.08.) alles beschwerlich, mühsam und auch das Wetter zeigte sich nicht von der freundlichen, sondern eher ausgesprochen nassen Seite. Also schlugen wir unser Zelt in Richibucto auf, erkundeten in aller Ausführlichkeit ZUSAMMEN den nahegelegenen Supermarkt und ... Halt, wichtig, die Erklärung, warum im Satz ein Wort komplett großgeschrieben ist: Tatsächlich ist es grundsätzlich so, dass immer einer von uns draußen bei den Motorrädern bleibt und der andere alleine einkaufen geht. Das hat zwei Gründe: Grund 1 ist, dass wir das gesamte Gepäck inklusive Wertsachen auf den Motorrädern lassen können, ohne Langfinger befürchten zu müssen. Grund 2 ist, dass wir so gut wie immer nur einmal in einen speziellen Laden gehen (weil wir ja dann bald weiterfahren werden), sodass wir die Ladenstruktur nicht kennen, uns nicht zurecht finden und der Einkauf bisher immer ungefähr eine Stunde dauerte. So lange wollen wir die Motorräder nicht alleine lassen. Deswegen ist es von ausgesprochener Besonder- und Seltenheit, dass wir beide gemeinsam einkaufen, aaah und ooooh rufen und uns auf eine angemessene Menge an zucker- und fetthaltigen unbekannten Schleckereien einigen können.

Das Wetter legte nun nach über einer Woche Wärme und starker Sonnenstrahlung eine kalte, regnerische Phase ein. Wir beschlossen, einen langen Fahrtag einzulegen und entschieden uns, in wasserdichte Überbekleidung gehüllt, einen "Schotter-Highway" quer durch das Land zu nehmen, der die kürzeste Verbindung zu unserem nächsten Zielort Edmundston darstellte. Mit der dort erlebten ausgesprochenen Menschenlosigkeit und völligen Abwesenheit an Häusern, Stromleitungen, Schildern etc. hatten wir nicht gerechnet. Insgesamt führte der gewählte Weg knapp 150 km durch das Nichts. Nur Bäume (und Schlaglöcher) und ab zu ein entgegenkommendes Auto, sonst nichts. Ah doch - eine ausgesprochen entladungsfreudige Gewitterwolke erwartete uns auf der Strecke, als es zu spät gewesen wäre, um noch umzudrehen. Dadurch, dass sich die Straße immer wieder schlängete, fuhren wir mal zu ihr hin, mal zu ihr weg. Schutz suchten wir vergebens: kein Gebäude, keine Brücke - nichts. Und falls ihr euch fragt, ob wir denn nicht den Wetterbericht geschaut hätten: Klar, haben wir. Seit einigen Tagen war hier und da immer mal wieder mit einem sogenannten "thundershower" zu rechnen, bei allgemein regnerischem Wetter. Aber deswegen knapp eine Woche den Ort nicht zu verlassen, wäre keine Option gewesen.

 

Auf jeden Fall haben wir das erste Abenteuer der Reise überstanden, sind heil in Edmundston angekommen und erfreuen uns eines ausgesprochen günstigen Campingplatzes, wo wir fernab vom Trubel ein stilles Plätzchen auf der Fahrradfahrerwiese bekommen haben (zwei Räder plus Lenker gleich Fahrrad? - Wir nehmen das mal nicht so eng, da wir ja auch mindestens so gerne Rad wie Motorrad fahren). Hier werden wir insgesamt drei Nächte bleiben und uns dann auf den Weg nach Quebec machen.

 

Wir beenden diesen heutigen Blogeintrag mit vielen Grüßen an alle, die diesen Blog fleißig lesen und sich an unseren Berichten erfreuen. Früher gehörten im Radio gesendete Grüße zur Normalität, heute sind sie eher selten geworden. Daher gehen nun auf digitalem Wege viele weitere liebe Grüße und ein großes Dankeschön an alle, die Kommentare geschrieben haben - wir freuen uns immer sehr, von euch zu lesen und sind auch jetzt schon gespannt, was wir bald wieder von euch lesen werden. :) (Schade ist nur leider, dass wir auf die Kommentare nicht direkt antworten können - das geht nicht mit dem Programm... Aber wenn ihr uns privat schreiben wollt, mailt uns: straymotocats(ääät)gmail(Punkt)com <-- Spamschutz, einfach die Zeichen einsetzen, dann passt es. :)

 

Schreibt uns außerdem auch gerne, wenn ihr Fragen habt oder Wünsche, auf die wir eingehen sollen im nächsten Beitrag. Wir freuen uns, von euch zu hören.

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Rolf Schöbel (Montag, 12 August 2019 19:24)

    Weiterhin viel Mut und Kraft auf Eurer Tour. Möge das Glück Euch stets hold sein. Viele Grüße vom Jakobsweg aus Galizien. Rolf Schöbel

  • #2

    Michael (Montag, 12 August 2019 21:03)

    ....na , da habt ihr ja die kanadische Regentaufe hinter Euch. Für Quebec ist aber besseres
    Wetter angesagt. Norse Cove Camping war ein schönes Plätzchen, die haben auch eine tolle WEB-seite. Den Atlantik habt Ihr jetzt endgültig hinter Euch gelassen und bald warten der große St.Lorenz-Strom und die Großen Seen auf Euch, also es gibt noch genug Wasser ;-)
    Wir waren einmal in den USA und die Leute waren sehr herzlich und freundlich, Abseits
    der Hauptstrasse in unserem Viertel wurde auch oft gegrüßt..."hello welcome___thank you".
    Verwundert waren wir allerdings über die Geographiekenntnisse der Amerikaner, da wird alles mögliche
    und unmögliche durcheinander gewürfelt. Das paßt gut zu der Erzählung, ob Ihr den ganzen weiten Weg
    hierher gefahren seit.
    Wir freuen uns auf weiter spannende Geschichten und bleibt schön trocken...
    Liebe Grüße Michael und Silvia
    PS: zeigt mal Bilder "On the Road" Danke...


  • #3

    Uwe aus Gö (Montag, 12 August 2019 22:43)

    Zum Brüllen .... ich stelle mir euch gerade in Taucheranzügen auf euren bepackten Motorrädern vor, wie ihr durch Fischschwärme nach Kanada braust :-) .... weiterhin ein schönes Abenteuer und liebe Grüße

  • #4

    Helga und Horst (Montag, 12 August 2019 23:23)

    America the Land of unlimited possibilities.
    Und ihr seid erst am Anfang eurer Reise.
    Weiterhin gute Fahrt und dass das Wetter mitspielt Lg

  • #5

    Darren Millett (Dienstag, 20 August 2019 20:28)

    Hey, enjoyed meeting you both while doing laundry in Edmunston! Love to keep following your story as you continue to discover the West! Be strong and resilient! Thanks too for the Skittles!! Darren (and Rebecca!).